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SONY RX10 MkIII
Die ultimative, einzige Mitnehmkamera?

 

SonyRX10

Die Sony RX 10 MkIII - (c) Sony2016

Fotografie bedeutet auch heute noch, entweder viele Kompromisse eingehen oder ein ganz ordentliches Gewicht schleppen zu müssen. Ändert sich das alles durch diese neue Sony Kamera, die RX10 MkIII?

Ich war es, wie gesagt, gewohnt, eine ganze Menge Gewicht auf den Schultern zu schleppen, wenn ich fotografieren ging – vom Weitwinkel angefangen bis zu einem relativ langen Telebereich. Mit zunehmendem Alter beginnt sich aber das Gewicht subjektiv zu stark bemerkbar zu machen und so habe ich seit geraumer Zeit nach einer wirklich guten Alternative zu meiner aktuellen Ausrüstung gesucht. Ich denke, ich habe diese Alternative gefunden – in der neuen Sony RX10 MkIII.

Im fogenden habe ich einfach meine Eindrücke und (noch kurzzeitigen) Erfahrungen niedergeschrieben und mit einigen Aufnahmen untermauert.

 

Die Sony RX10 MkII, das Vorgängermodell, hatte ich mir bereits genau angesehen und es hat mir gefallen, bis auf die Tatsache, dass mir 200mm für die maximale Telebrennweite als vielleicht etwas zu wenig erschienen war. Auch gefiel mir die Panasonic FZ1000  -genauer gesagt, das Leica Modell, die Vlux(114) – ich habe diese Kamera auch ausprobiert und dann für meine Interessen zwei für mich sehr schwer wiegende Nachteile gefunden: Es gibt für die VLux kein starkes Blitzgerät von Leica und, was noch problematischer ist, keine externe Stromversorgung. Dabei hat die Vlux in der Software das schöne Feature der Zeitrafferaufnahmen mit Einstellungen, die über viele Stunden und Tage Aufnahmen erlauben würden – nur die Batterie, genauer gesagt, der Akku, spielt da nicht mit. Ich habe es ausprobiert und nach etwa 5 Stunden und 200 Aufnahmen war der Akku leer – wozu also diese Option, wenn es keine externe Stromversorgung der Kamera gibt? Ja, es gibt diese von Panasonic für die FZ1000, aber die Verwendung von Fremdzubehör kann unter Umständen die Werksgarantie erlöschen lassen, wurde mir gesagt – daher besser nicht verwenden.

Und genau hier kommt die neue Sony RX10 MkIII für mich ins Spiel! Sie ist deutlich teurer (Stand Mai 2016: ca 1600 Euro) als die vorher genannten Kameras, im Vergleich zu Panasonic sogar fast doppelt so teuer, aber sie hat alles, was ich mir gewünscht hatte – ein Zoom von 24 bis 600 (!)mm Brennweite und das bei Lichtstärke von 2,4 – 4,0; darüber hinaus gibt es Blitzgeräte mit Leitzahl bis zu 60 (das habe ich mir gleich dazu gekauft) und auch einen externen Stromanschluss... super!

Ich habe also leicht knirschend fast 1600 Euro auf den Ladentisch gelegt und bin mit der neuen Superkamera weggegangen. Zu Hause angekommen, sofort ausgepackt, Akku geladen und angefangen, mich mit dem sehr umfangreichen Menu vertraut zu machen. Noch ein angenehmer Vorteil der Sony gegenüber die Vlux – Sony liefert die Gebrauchsanleitung auch gedruckt mit! Natürlich kann ich die GA online herunterladen – wie es Leica verlangt, denn sie liefern nur eine kleine Kurzschnellanleitung mit – aber es ist mir einfach angenehmer, eine gedruckte Anleitung zu haben. Vielleicht ein Zeichen meiner Generation – ich möchte es schriftlich in der Hand haben.

Also zurück zur Kamera – kompakt ja, etwas gross und deutlich schwerer als die Leica Vlux, aber nicht zu schwer für meine Erwartungen. Etwas über 1kg wiegt sie, das gute Stück, das geht noch recht gut. Sicher keine Taschenkamera wie die RX100, aber mein Ziel war es ja, meine umfangreiche Nikon D800 Ausrüstung mit den Objektiven von 24 bis 500mm wenn geht, daheim lassen zu können.

Was ist mir an der Kamera sehr schnell aufgefallen – nun sicher einmal das lang ausfahrende Objektiv – 600mm Brennweite (35mm äquivalent) sind eben eine Menge Objektiv. Sie schaltet schnell ein, braucht aber schon ein wenig Zeit um alle ihre optischen Elemente in Position zu fahren – also einschalten und sofort loslegen, das geht nicht – man muss so etwa eine gefühlte Sekunde warten. Die Kamera liegt mir gut in der Hand – bei allen Brennweiten, das war für mich eine angenehme Erfahrung – die Handauflage ist für mich gerade richtig in der Grösse und dem Umfang. Mein Freund, ein bekannter Schweizer Fotograf meinte – für ihn wäre der Griff etwas klein – er hat aber auch sehr grosse Hände, die habe ich nicht. Die Größe der Kamera kann man recht gut an die folgenden Aufnahmen sehen - ausgeschaltet, bei 24mm und bei 600mm Brennweite. Der Raster sind 1cm Quadrate...

 

die ausgeschaltete Kamera

 

eingeschaltet, bei 24mm

 

eingeschaltet, bei 600mm

 

Das System der 5-Achsen Stabilisierung funktioniert sehr gut – ich habe aus dem Stand ohne Stativ bei 600mm durchaus gut verwendbare Aufnahmen machen können. Die Belichtungszeiten dafür waren im zweistelligen Sekundenbruchteilbereich. Überaus angenehm – denn wenn man in den Bergen wandern geht, so hat man kaum ohne Pause einzulegen, eine ganz ruhige Hand und dann hilft dieses Stabilisierungssystem enorm – man kann fotografieren und die Aufnahmen sind in Ordnung, was die Schärfe betrifft.

Bei langen Brennweiten ist mir recht schnell aufgefallen, dass der Autofokus auf die Schärfenjagd geht – ein Nachteil eines Kontrast-AF Systems. Hier würde ein zusätzlicher Phasendetektions-AF wahrscheinlich helfen können. Ich wollte Murmeltiere beim Spielen aufnehmen, das war nicht immer möglich, denn der AF fand einfach keine Schärfenebene zum auslösen. Erst wenn ich von 600mm auf 200 oder 300 zurückging, dann fand er die richtige Ebene und dann konnte ich noch etwas hineinzoomen und diese lustigen Tiere aufnehmen. Für Sportaufnahmen ist die Sony ganz sicher nicht die beste Wahl, keine Frage – dafür ist der AF im langbrennweitgen Bereich ganz sicher zu unverlässlich und zu wenig aktiv. 
Aber bei statischen oder wenig beweglichen Objekten und bei ausreichendem Objektkontrast funktioniert der AF auch im fernen Telebereich noch gut.

Hier ein paar Beispiele....die Murmeltiere haben nicht still gestanden, nur ein paar Aufnahmen sind daher vom AF korrekt erfasst worden...

Murmel1

 

Gut erkennbar ist auch das angenehme Bokeh - der Hintergrund ist unauffällig unscharf ohne irgendeine Vorzugsrichtung der Unschärfe zu betonen. Alle drei vorherigen Aufnahmen sind 100% Ausschnitte von "600mm" Aufnahmen aus der Hand...
Bei 600mm Äquivalentbrennweite, also in der Kamera bei 220mm optischer Brennweite kann man gut komplett perfekt scharfe Aufnahmen machen, wenn das Objekt sich nicht so unvorhersehbar bewegt oder in Ruhe ist - hier ein Beispiel eines statischen Objekts, ein Detail aus der berühmten Otto Wagner Kirche am Steinhof in Wien. Man sieht auch, dass die Reflexionen des direkten Sonnenlichts am Bischofsstab sichtbare Helligkeitshalos erzeugen - ein Effekt, der bei fast allen Kameras zu beobachten ist, wenn Details so stark überbelichtet werden, dass sie in totale Sättigung der Pixel übergehen.

 

Im Brennweitenbereich von Weitwinkel bis etwa 200-300mm habe ich keine Probleme, was den AF betrifft – er findet die angepeilte Schärfenebene recht schnell, auch bei Details, die nicht durch einen besonders hohen Kontrast hervorstechen. Dafür auch ein Beispiel aus Graubünden - ein wolkenverhangener Morgen in den Bergen.... Äquivalentbrennweite etwa 200mm

 

Die Kamera hat auch einen zusätzlichen 4x Digitalzoom eingebaut – ich habe keine Verwendung dafür für mich gefunden und kann mich auch dafür nicht begeistern.

Einen weiteren kleinen Nachteil der Sony gegenüber der Leica Vlux möchte noch erwähnen – die TFT Screen ist bei Sony nur schwenkbar, und das nur in geringem Ausmass, wohingegen bei Leica (Panasonic) die Screen auch drehbar ist. Das erscheint mir dann angenehm, wenn man etwas unübliche Aufnahmepositionen einnehmen möchte – ganz am Boden, oder weit oberhalb des Kopfes etc. Ich kann mit der nur schwenkbaren Screen leben, aber es wäre schön, sie wäre so beweglich, wie die bei der Leica Vlux.

Screen

Mit dem sehr umfangreichen Menu und die Dutzenden, um nicht zu sagen über 100 Unterpunkten, habe ich mich abgefunden – es ist am Anfang recht mühsam, sich durch alle Topmenus durchzuklicken und dann das richtige Untermenu zu finden, aber mit der Zeit geht es irgendwie. Das ist eben der Nachteil, wenn eine Kamera so viele Möglichkeiten bietet – aber vielleicht könnte man da auch einmal etwas aufräumen oder die Anordnung irgendwie übersichtlicher machen.

Viele der Menupunkte kann man sichtbar machen oder auch dem aktuellen Bild überlagern - das dient für mich nur zur Informatiion, sobald ich eingestellt habe, was ich wollte, blende ich das alles aus, es stört die Bildkomposition. Ein paar Beispiele der Darstellungsmöglichkeiten im Sucher und/oder am Display. Zuviel anzuzeigen, ist nicht sinnvoll, wie das Display hier zeigt

Eine nur informative Anzeige der Einstellungen am Display und im Sucher nur das Bild ohne all diese Informationen (meine erste Wahl) - hier das volle Display

 

Praktisch erweist sich auch der verschiebbare Fokuspunkt oder die Wasserwaage (horizontal und vertikal) sowie eine Kantenhervorhebung für genaues Fokussieren

Sehr praktisch ist die einstellbare Übervergrösserung bei manuellem Fokussieren (im Sucher oder am Display) - damit kann man punktgenau fokussieren - hier ein Beispiel am Display gezeigt

Man sieht den vergrösserten Bereich und wo dieser liegt - und diesen kann man mit der Radwippe verschieben - wirklich praktisch!

Beeindruckt hat mich die Bildqualität  - ja, es ist zwar ein 1 Zoll Sensor, aber 1 Zoll in der Diagonale ist ja auch nicht besonders gross! Der Sensor ist ja nur 13,3x8,8mm gross, was bedeutet, dass bei quadratischen Pixel (5472x3648) die Pixelgrösse etwa 2,4micron ist – mit anderen Worten, bei starkem Abblenden kommt man sehr schnell ist die optische Beugung und die Aufnahmen verlieren sichtbar an Inhalt und Detail. 
Die Aufnahmen haben bis Blende 5,6 oder gerade noch 8 eine ausgezeichnete Schärfe, die bis zum Bildrand nur sehr wenig abfällt und Restfehler wie chromatische oder sphärische Aberrationen sind nur sehr gering bis gar nicht sichtbar. Kleinere Blenden sind zwar einstellbar, aber machen für mich keinen Sinn, denn wie erwähnt, verringert die Beugung die Mikrostrukturqualität. Nicht wirklich sichtbar für kleinformatige Erinnerungsaufnahmen, aber gut sichtbar bei Drucken über das A3 Format hinausgehend.

Lightroom zeigt als Information 220mm an - das ist klar, denn die Objektivbrennweite ist in Bezug auf den Sensor 220mm aber in Bezug auf das Vollformat 600mm - das Objektiv ist also ein Vollformatäquivalent von 24-600mm bei Lichtstärke 2,4 bei 24mm und 4 bei 600mm

Blende 4

Blende 4 bei 600mm - feinste Details wiedergegeben

 

Blende 16

Blende 16 bei 600mm - feinste Details verschwommen - Beugung

 

Fast immer nehme ich nur im Raw Format auf – hier werde ich mich wahrscheinlich noch eine Weile gedulden müssen, denn weder DXO noch andere Provider von Bearbeitungsprogrammen liefern bereits optische Korrektionsmodule. Gemäß EXIF-Extreme sind die Rawfiles in 12 bit und komprimiert – vielleicht wird es einmal ein Update geben, das dann unkomprimierte Files ermöglicht. Die Rawbilder kann man aber bereits in einigen Programmen konvertieren,  wobei ich selbst Photoshop CS6 (noch erfolglos) Lightroom 6 (erfolgreich), DXO OpticsPro11 (soll 9/16 kommen) und Capture One 9 ausprobiert habe. Von Sony Playmemories und deren Rawkonverter war und bin ich nicht wirklich begeistert – ich habe einfach eine höhere Affinität zu PS6 oder alternativ zu C1-9. Natürlich kann man als Aufnahmefarbraum zwischen sRGB und ARGB wählen – ich arbeite immer im Adobe RGB als Aufnahmefarbraum, da dieser einen grösseren Farbraum aufweist.

Der Empfindlichkeitsbereich der Kamera von ISO Äquivalent 100 bis 12800 mit Erweiterung auf 64-25600 ist für mich ausreichend gross – wobei ich alle Einstellungen über 3200 als nicht sehr anstrebenswert bezeichnen möchte. Das Rauschverhalten ist OK; aber wenn ich bei sehr hohen ISO Werten aufnehmen möchte, dann sollte ich besser eine dafür speziell optimierte Kamera verwenden und nicht diese hier.
Ein wenig Streulichtempfindlichkeit ist vorhanden, da muss man etwas aufpassen – habe ich bemerkt, wenn ich die Sonne so gerade nicht mehr im Bildfeld hatte – aber gut, es gibt kaum eine Kamera, die alles perfekt macht (auch meine Leica M und die Summilux Objektive haben ein paar Schwächen – obwohl sie sonst fast perfekt sind).
Hier ein Beispiel - Filisur in Graubünden am Abend bei 6400 ISO ohne Rauschverminderung

Eine recht gute Aufnahme, bei der man bei dieser Übersicht das Rauschen kaum bemerkt, ausser man sieht sich einen 100% Ausschnitt an:

Hier kann man dann ein Entrauschungsfilter, etwa NEAT Image, anwenden, dann wird die Aufnahme wieder ganz gut verwendbar, wenn man nicht zu hohe Ansprüche an Schärfe und Details stellt:

Aber dennoch, meine Präferenz ist es, selten über 3200 ISO zu gehen...

 

Man kann die Kamera auch komplett manuell bedienen – also manuell fokussieren, simuliert manuell die Brennweite verändern und die Verschlusszeit wählen – für einen kreativen Einsatz ist alles daher möglich gemacht worden, auch etwas, was mir sehr gut gefällt.

Der Sucher ist rein elektronisch und dessen Auflösung ist sehr gut – das Nachziehen ist gering, aber bei schnellen Objekten und Bewegungen noch merkbar. Nicht mehr sehr störend, man kann sich gut daran gewöhnen, aber es ist noch sichtbar.

Der Verschluss kann sowohl elektronisch-mechanisch als auch rein elektronisch arbeiten – und, was mir besonders gut gefällt, man kann alles auf lautlos einstellen. Damit ist es perfekt möglich, bei leisen Umgebungen (zB in Kirchen, Museen, bei Konzerten) ohne die Umgebung zu stören, fotografieren – ein enormer Vorteil. Hier ein Beispiel - ich habe bei einer Feier den Abteilungsvorstand Fotografie der Graphischen komplett ungehört aufnehmen können - mit dem elektronischen Verschluss (ISO 1000, "200"mm Brennweite)

 

Der Zeitbereich von 30 Sek bis 1/32000 Sek ist ausreichend gross genug. Braucht man längere Belichtungszeiten, so nimmt man einfach einen der guten alten Drahtauslöser und stellt den Verschluss auf B.....- nur die Batterieladung begrenzt die Belichtungszeiten. Endlich wieder eine Kamera, die einen normalen Drahtauslöser verwendet!  Aber man darf nicht vergessen – hat man die Rauschunterdrückung bei langen Belichtungszeiten aktiviert, so braucht die Kamera (wie die Leica M) nach der erfolgten Belichtung genau nochmals so lange um ein Dunkelbild aufzunehmen..... bei 2 Minuten Belichtungszeit sind es eben dann nochmals 2 Minuten, in denen man nicht fotografieren kann!
Was mir auch gut gefällt, ist die schnelle Aufnahmefolge – 14 Bilder pro Sekunde. Macht zwar bei langen Brennweiten nicht viel Sinn, aber bei kurzen oder nur relativ langen Brennweiten schon, denn da kommt der AF noch mit dem Fokussieren nach und man sucht aus einer Reihe von Aufnahmen die beste heraus.

Wer gerne Bracketing Aufnahmen macht – geht gut, es gibt im Menu Positionen , die das direkt erlauben – eine feine Sache.

Die Auto-ISO Einstellung ist genial – in dieser Ausführung wirklich perfekt. Man kann einfach den ISO Bereich auswählen, den man verwenden möchte – also etwa 100 bis 3200 und dann wählt die Kamera automatisch die optimale ISO Einstellung ungeachtet meiner weiter vorhandenen Möglichkeiten, den vollen Verschlusszeitenbereich zu verwenden. Ein Beispiel - es war ein regnerischer Tag und bei einem Spaziergang durch Andeer (in der Südostschweiz) sah ich eine Beobachterin.... ISO 1000 was automatisch die Wahl der Kamera bei der maximalen Brennweite - und da das Modell still sitzen blieb, wurde sie auch durch den AF scharf erkannt. Der Ausschnitt ist ein 100% Ausschitt des vorgängigen Bildes.

 

Es gibt noch eine ganze Reihe von Annehmlichkeiten – so etwa die NFC Verbindung zu einem Smartphone oder Tablett, oder auch die Fernbedienungsmöglichkeiten, ebenfalls über ein Smartphone. Auch gibt es einen Zoom-Assistenten und eine elektronische Nach-Vergrößerung des Livebildes, die das präzise Fokussieren vereinfacht. 
Der Zoom Assistent macht folgendes – wenn man mit einer langen Brennweite ein bestimmtes Detail aufnehmen möchte, es aber beim Zoomen nicht aus den Augen verlieren will, so kann man eine der Funktionstasten so programmieren, dass sie einen halbdurchlässigen Rahmen zeigt, der der möglichen gewählten Brennweite entspricht. Lässt man die Taste los, so zoomt die Kamera auf das gewählte und vorher gezeigte Feld hin – sehr praktisch.

Die Makrofotografie ist ja mein besonderer Fokus - auch das kann die RX10 MkIII sehr gut und angenehm - bei der kürzsten Brennweite kommt man bis auf wenige Zentimeter an das Objekt heran und dann nimmt zwar die Aufnahmeentfernung deutlich und überproportional zur Brennweite zu, aber im Telebereich kann man auch sehr gut Makroaufnahmen machen - man hat eine Nahdistanz von etwas unter 1m, aber dadurch kann man störende Hintergründe gut ausblenden und diejenigen optischen Verzeichnungen, die bei der Weitwinkelaufnahme im Makrobereich logischerweise vorhanden sind, vermeiden. Hier zwei Beispiele - einmal eine Makroaufnahme einer Fluoritstufe aus Spanien mit 24mm aus etwa 3cm Entfernung bei Blende 11 (ISO 1000, mit Neat-Image entrauscht) und dann das selbe Objekt bei 500mm Brennweite (ISO 1000, mit Neat-Image entrauscht).

Weitwinkel - Makro

Tele - Makro

 

Eine Funktion erscheint mir etwas verbesserungswürdig – die Panoramafunktion. Wie üblich, funktioniert das Panorama bei solchen Softwaresystemen entweder von links nach rechts oder von rechts nach links. Hier kann man auch wählen, ob man ein vertikales Panorama möchte – zB um Kirchen mit den Türmen als Panorama vertikal aufnehmen zu können. Wichtiges als diese zusätzlich Wahlmöglichkeit erscheint mir die (noch?) nicht vorhandene Option, die Kamera beim Panorama vertikal halten zu können und horizontal das Panorama aufzunehmen. Damit könnte man mit einem größeren Bildfeld in vertikaler Richtung horizontal ein Panorama machen – so wie man es mit den Panoramastativköpfen macht – Kamera vertikal und horizontal schwenken.  Das Zusammensetzen der Teilbilder funktioniert störungsfrei nur bei größeren Entfernungen der nähest gelegenen Details – wie ich es erwartet hatte, da ja die Kamera nicht um den Nodalpunkt, genauer gesagt, das Zentrum der Perspektive, gedreht werden kann.

Nur leider GPS gibt es nicht (auch noch nicht als Zubehör von Sony) und Zeitraffer geht nur über externes Zubehör – das geht, ist aber etwas umständlich.

Es gibt eben keine eierlegende Wollmilchsau in der Fotografie, und wenn, dann nicht in einem kompakten Gehäuse und nicht um 1600 Euro...

Ich habe mir, wie ich bereits erwähnt habe, auch das leistungsstärkste Blitzgerät zu der Kamera gekauft – und habe nicht einen einzigen Euro dafür bereut. Der Blitz, Sony F60M, kostete bei einem Listenpreis von 650 Euro beim Diskonter zwar noch einmal deutlich über 400 Euro, aber er ist jeden Euro wert. 

Nicht nur die Leitzahl 60 ist es, die ihn so beeindruckend macht, auch die Tatsache, dass er komplett und für mich perfekt in das Sony System integriert ist – ich verwende ihn daher auch gerne bei Tageslicht um Schatten leicht aufzuhellen, um Akzente zu setzen und Licht ins Dunkel zu bringen.  Er sitzt fest arretierbar oben auf dem Multifunktionsanschluss der Kamera und hat einige Eigenschaften, die man bei anderen Blitzen sucht – mir gefällt die vertikale Drehbarkeit des Blitzkopfes besonders gut – bei Hochformataufnahmen vermeidet man so unsymmetrische Schlagschatten und exzentrische Beleuchtung, die meistens stört. Die Blitzenergie ist in einem sehr weiten Bereich einstellbar und als Aufhellblitz kann man so ganz einfach das Verhältnis von Umgebungslicht zu Blitzaufhellung korrekt einstellen.  Was auch sehr erfreulich ist, es gibt dazu auch ein externes Zusatzbatteriegehäuse mit Anschluss an den F60M. Damit kann man nicht nur schnelle Blitzfolgen erzielen, sondern auch die Gesamtzahl der Blitzaufnahmen deutlich vervielfachen – was bei Events wie etwa Hochzeiten sehr wichtig ist.

BlitzBlitzvertBlitzrec

Und für Video hat er eine 3-er Reihe von LEDs als Beleuchtung eingebaut. Alles in allem eine mehr als anschaffenswerte Empfehlung

Hier ein Beispiel einer aufgehellten Aufnahme - man kann den Blitz nur in den dunklen Pupillen leicht erkennen - die Abstimmung ist sehr schnell und einfach harmonisch mit dem Umlicht einstellbar

YAnnick

 

 

Das Aufladen des Akkus erfolgt im Lieferumfang mit dem USB Kabel  - das funktioniert OK, es gibt auch den Netzadapter für das USB Kabel, man braucht daher keinen Computer um die Kamera zu laden. Das ist OK, aber nicht sehr praktisch, vor allem nicht, wenn man zwei oder mehr Akkus mit hat – da macht es Sinn, ein externes Ladegerät zu kaufen. Das ist klein und handlich und damit hat man immer geladene Akkus bei der Hand. Die Anzahl der Aufnahmen, die man mit einem voll geladenen Akku machen kann, hängt natürlich von einigen Faktoren ab, nicht nur von den Belichtungs- und Betrachtungszeiten der Aufnahmen, sondern auch von der Außentemperatur etc. Daher macht ein zweiter Akku auf alle Fälle sehr viel Sinn.

Einer der Menupunkte in den vielen Menus und Untermenus der Sony erscheint mir zum Abschluss noch erwähnenswert – es gibt eine ganze Reihe von optionalen Software Apps, die man von Sony auf die Kamera laden kann. Nicht alle sind kostenlos, die Preise sind moderat – zwischen etwa 5 und 10 Euro pro App. Was kann man mit diesen machen – zum Beispiel gibt es eine App, die ein Grauverlaufsfilter simuliert – praktisch bei Landschaftsaufnahmen. Oder eine App, die in kleinerem Rahmen Zeitrafferaufnahmen macht, oder eine für ein berührungsloses Auslösen durch Handbewegung hinter dem Sucher – die Apps werden laufend erweitert und oft kommen updates, die über eine WLAN Verbindung direkt auf die Kamera geladen werden können.

Zum Schluss noch eine Überlegung – für wen ist diese Kamera interessant: Nun sicher für alle, die keine umfangreichen Ausrüstungen mehr mitschleppen möchten oder können aber dennoch auf eine ganz ausgezeichnete Bildqualität bei großem Brennweitenbereich Wert legen. Die Sony RX10 MkIII hat das Zeug, die einzige Kamera zu sein, die man haben möchte. Nicht wirklich für Action Fotografen und Sportreportagen, aber sonst für fast alle, die eine universell einsetzbare Kamera möchten. Nur teuer ist sie schon, aber vielleicht wird sie noch einmal etwas billiger werden...

Hier noch ein paar Aufnahmen aus Graubünden und dem Engadin - für mich ist die Sony RX10 MkIII die fast perfekte Universalkamera - und sie wird mein steter Reisebegleiter sein.

 

 

 

 

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