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Diese Review ist für eine Auflösung von 1280x1024 pixel und größer gut geeignet, bei kleineren Bildschirmen kann eine Sequenzierung der gezeigten Aufnahmen eintreten!

 

          Nikon D700         

Das Alpha und Omega digitaler Kleinbildphotographie?

 

 

Ich bin ein glücklicher "Homo Photographicus", weil ich schon einen Tag nach der offiziellen Präsentation der D700 eine Demokamera auf ein paar Tage geliehen bekam. Also hieß es die Zeit gut nutzen, Aufnahmen machen, sie ausprobieren, sie testen und dann zu einer Meinung kommen. Wenn Sie meinen ganzen Bericht nicht lesen möchten und nur ein "executive summary" möchten - hier ist es: Kaufen Sie diese Kamera!

Ich bin nicht oft so enthusiastisch, aber diese D700 hat es mir einfach angetan - sie ist (gerade) noch leistbar, macht herrliche Aufnahmen, liegt hervorragend in der Hand und kann fast alles und das sehr gut.

D700 mit dem 14-24/2,8 G-ED AFS

Eine Review, ein Bericht, sollte systematisch sein und versuchen, objektiv die Eigenschaften und Merkmale darzustellen - aber da diese Review nicht von einem Roboter geschrieben wurde, ist sie auch subjektiv gefärbt - durch mich, den Autor. Ich gebe zu, ich bin seit Jahren im Kleinbild sehr Nikon - affin, was aber nicht bedeutet, dass ich nur mit Nikon photographiere. Sicher nicht - ich photographiere vor allem im Mittelformat mit zwei Rollei SL 66 (SE), einer Mamiya RZ67Pro II und im Großformat mit Linhof und Plaubel. Und Großformat dann, wenn ich Landschaften aller Art festhalten möchte. Warum dann eine digitale Kleinbildkamera? Warum überhaupt Digital?

Die digitale Photographie hat in den letzten Jahren einen sehr beeindruckenden Aufschwung genommen und hat die konventionelle Photographie, also die Photographie mit Film als Medium überholt. Der Grund ist nicht nur die stetige Verbesserung der Aufnahmensensoren, sondern auch die oft vorhandene Notwendigkeit, Bildinformationen praktisch sofort weiter verarbeiten und publizieren zu müssen um mit der "rapidmovement" Gesellschaft mitzuhalten. Auch Werbung, früher für einen Zeitraum von vielen Monaten bis zu einem Jahr konzipiert, wird heute nur mehr für oft wenige Tage oder Wochen produziert um dann von neuer visueller Information abgelöst zu werden. Für alle diese Bereiche ist digital die Lösung. Es ist auch immer mehr in der Drang der "normalen" Konsumenten, nicht warten zu wollen - ein oder zwei Tage auf die Entwicklung eines Films und der Bilder zu warten, das will "man" heute kaum mehr - es muss sofort sein. Die Liste der digitalen Anwendungsbereiche ist lang und komplex und daher haben die führenden Kamerahersteller auch eine Bandbreite von Kameras entwickelt, die praktisch alle Anwendungsgebiete abdecken kann. Die Nikon D700 passt nach meiner Meinung in das obere Segment der anspruchsvollen Photographen, die aber nicht schnellste Bildfolge und praktisch unbegrenzte Verfügbarkeit brauchen - Qualität ist wichtiger als maximale Schnelligkeit (dabei sind 5 bzw. 8 Bilder pro Sekunde ja nicht gerade langsam).

Die D700 ist kleiner als die D3 (außer man verwendet den optionalen Batterieansatz, der dann die 8 Bilder/sek ermöglicht), leichter ( etwa 250 gr leichter) und wie gesagt nur wenig größer als die D300. Die zusätzliche Größe kommt fast nur vom Sucherteil, der ja größer ist, weil die D700 einen Vollformatsensor hat und nicht wie die D300 den kleineren DX Sensor. Der Größenunterschied ist in der hier gezeigten Produktaufnahme von Nikon gut sichtbar - wenn man allerdings den Batterieteil an die D700 ansetzt, so ist der Unterschied praktisch weg

Der Verschluss - nun ja, er ist nicht für 300.000 Aufnahmen ausgelegt, sondern für 150.000 Aufnahmen - ist das ein Problem? Nein, ich denke nicht - wenn man 300 Aufnahmen pro Tag macht, so ist die Kamera nach 1 1/2 Jahren wahrscheinlich servicereif....wer macht aber 300 Aufnahmen/Tag an 365 Tagen - sicher nicht die angepeilte Käuferschicht. Ich mache relativ viele Aufnahmen im Monat, so etwa 400-500, Sie können ja selbst ausrechnen, dass die D700 da mehr als reicht und bis sie zum Service muss, gibt es sicher eine neue Kamera, wenn ich dann überhaupt noch photographieren kann! Und wie sieht es mit dem Zeitablauf des Verschlusses aus? Schnell ist er - 4/100 Sekunden Verzögerung und 0,12 Sekunden Verzögerung beim Einschalten - das ist kaum bemerkbar. Und wie steht es mit der Vibration beim Auslösen - nun ziemlich gut. Die D700 macht schon ein hörbares Auslösergeräusch, das ist aber gering und die Vibration ist durchaus erträglich und im Rahmen es normalen Verhaltens eines Schwingspiegels. Außerdem kann man ja den Spiegel vorauslösen, was ich bei auflösungskritischen Aufnahmen fast immer mache.

Der Sucher der D700, um bei einem der wichtigen Details weiter zu machen, ist groß, hell und informativ ohne überladen zu sein. Alle wichtigen Daten sind lesbar und vorhanden. Hier kommt schon der Vollformatsensor auch zum Tragen, das ist für mich einer der Aspekte, warum ich Vollformatkameras den DX Kameras vorziehe. Der Sucher zeigt etwa 95% des aufgenommenen Bildes, was das Umlenkprisma etwas kleiner macht, aber die fehlenden 5%, der Rand des Bildes, naja, den hätte ich schon recht gerne - aber dazu kann man auf Lifeview umschalten, wenn es kritisch wird. Gut, 95% sind "normal" für SLR Kameras, aber die 99,5% der D3 und der D300 sind schon recht fein....genau was man sieht, bekommt man - aber irgendwo gibt es eben auch kleinere Unterschiede zwischen der D3 und der D700.

Die D700 bietet 12,05 Millionen Pixel auf 23,9x36mm CMOS Sensorfläche - genug um die Aufnahmen auf A0 zu printen und dann aus einem "normalen" Abstand zu betrachten. Die Empfindlichkeit, wie bei der D3, ist normalerweise von ISO 200 - 6400 einstellbar mit Erweiterung nach unten bis auf ISO 100 und nach oben hin bis ISO 25600. Wie bei der D3 sehe ich keinen nennenswerten Unterschied zwischen ISO 200 und 100 und im oberen Bereich wird das Rauschen erst von ISO 6400 aufwärts bemerkenswert. ISO 6400 ist als hohe Empfindlichkeit noch in Ordnung, das sichtbare Rauschen ist durchaus akzeptabel - damit hebt sich die D700 (und die D3) von den heute erhältlichen vergleichbaren Kameras deutlich ab und zeigt einen sehr attraktiven Wettbewerbsvorteil.  Was die D700 offeriert ist ein Vibrationssystem zum Abschütteln von Staubpartikeln vom Sensor - ich glaube, das wird genauso wenig toll sein, wie die vielen anderen Systeme, die bereits am Markt sind, aber es war wohl ein notwendiges Marketingfeature gegen die Hauptkonkurrenz, Canon. Besser als alle Abschüttelmechanismen ist ein einfacher Staubblaser, ein Balg mit Düse vorne....billig und wirksam.
Wenn man DX Objektive, also diese für den kleineren Sensor, verwendet, so schaltet die Sucherfeldautomatik ein passendes Rechteck als Maske (bei der D3 ist es eine abschattende Vollmaske) ein und man sieht das kleinere Gesichtsfeld - sehr praktisch! Nur das 5:4 Formatverhältnis, das die D3 hat, das hat die D300 (noch) nicht - dieses 5:4 ist für Photographen wie mich sehr attraktiv, da ich es gut für Portraits verwenden kann und es auch dem 4x5 Verhältnis einer Grossbildkamera entspricht. Das 4:6 Verhältnis von 24x36 ist für Landschaftsaufnahmen oft eine bessere Wahl, aber nicht alles, was man aufnimmt, sind Landschaften.

Das Display an der hinteren Seite - die Qualität und Größe wie das der D3 - groß, hell und genau genug um einige Vorentscheidungen betreffend der Aufnahmequalität machen zu können

Die Bedienungselemente, praktisch so wie bei der D300, kaum ein Unterschied - im nachfolgenden Bild der Kamerarückseite gut zu erkennen. Der Verschluss des Suchereinblicks (links vom Suchereinblick zu sehen) ist wichtig - die Belichtungsmessung wird von Licht, das durch den Einblick kommt (z.B. bei Arbeit vom Stativ), verändert - bei durchschnittlich heller Szene um 1-2 Blendenstufen.

Die Qualität der Farbwiedergabe, ein weiteres sehr wichtiges Kriterium ist mit der D3 vergleichbar, vielleicht sogar eine kleine Spur besser. Wiederum ein 14bit A-D Konverter und die von der D3 bekannte EXPEED Bildverarbeitung bei 16bit Tiefe. Die Farben sind für eine digitale Spiegelreflexkamera in diesem Format einfach hervorragend, wenn auch nicht perfekt (keine Farbwiedergabe ist perfekt - das ist aber ein ganz anderes Thema). Die entsprechenden Tests und Vergleichsaufnahmen kommen etwas weiter hinten!
Was sich allerdings nicht verbessert hat, ist der Weißabgleich - in der automatischen Funktion arbeitet er genauso wie bei der D3 - solange die Lichtqualität eher "normal" ist, gibt es wenig Probleme. Was ist normal hier - nun einfach Tageslicht mit etwas Sonne und etwas Wolken. Sobald allerdings das Licht eine etwas ungewöhnliche Qualität annimmt, wird es etwas kritisch - da hilft dann die halbmanuelle Festsetzung des Weißpunktes mit der WB-pre Funktion und einem Weißwabenfilter - dann passt alles wieder ziemlich gut.  Was mir gefallen hat, ist die wieder eingebaute Feinjustierung der Farbtemperatur und des Neutralpunktes mit einer Farbmatrixeinstellung - sicher nicht für jeden Verwender einfach zugänglich, aber wirkungsvoll, wenn richtig gemacht.

Die Speicherung der Bilder ist auf eine einzige Speicherkarte ( 35MB/sec Auslesegeschwindigkeit - daher schnelle Karten verwenden!) beschränkt - ein Zugeständnis an die "nur" semiprofessionelle Kundengruppe - das simultane Backup, das mit der D3 möglich ist, ist hier nicht möglich. Die CF Karten sind allerdings sehr robust und ein Slot sollte nun wirklich fast immer reichen. Ich habe selbst mit einer 4GB CF Karte gearbeitet und auf dieser kann man 201 Aufnahmen im RAW Format speichern - nicht genug für einen Sportreporter, aber genug für fast alle anderen Anwender, finde ich. Außerdem gibt es ja noch 8GB und 16GB Karten.....

Die D700 hat auch wie die D300, einen eingebauten Blitz - nicht dass dieser einen kraftvollen Aufsteckblitz ersetzen kann und will, aber er ist gut, gut genug um für viele Fälle als ausreichender Aufhellblitz zu fungieren. Wie alle solche eingebauten Blitze, schattet auch er (wie bei der D300) sehr weite Weitwinkelobjektive am unteren Bildrand ab - da ist der Abstand des Blitzes von der optischen Achse einfach zu gering. ( Der ebenfalls neue Aufsteckblitz, SB900, hat viele attraktive Eigenschaften und ist eine sehr interessante Ergänzung zur D700, nur leider nicht billig) .

Was ich ein nettes Feature finde, ist den spezielle "Fn" Druckknopf, der auf der rechten vorderen Seite ist und dem man irgendeine der vielen Funktionen zuordnen kann - ich habe diese Taste mit der Reihenbelichtungsfunktion belegt (nachdem ich diese lange gesucht hatte und dann endlich mit Hilfe des Nikon Kundendienstes die Reihenaufnahmefunktion unter mehreren Lagen von Menupunkten verborgen fand)

Die "Live-View" Funktion, die es ja erstmals bei der D3/D300 gab, kann man nun mit dem künstlichen Horizont überlagern - ganz nett, nur eben nicht exakt genug, um die Kamera wirklich genau horizontal auszurichten - aber sicher für viele eine wertvolle Hilfe. Ich brauche den künstlichen Horizont nicht - er ist ja wie bei der D3 auch nur horizontal vorhanden, nicht aber für vertikale Aufnahmen, was vielleicht noch ein attraktives Hilfsmittel wäre. Auch in vertikaler Stellung erscheint die grüne Linie, dann aber wiederum parallel zum Kameraboden..merkwürdige Philosophie, meine ich.

Virtueller /künstlicher Horizont

Der virtuelle Horizont ist auch über das Funktionsmenu erreichbar - als Anzeige ähnlich der Belichtungswaage - ziemlich unbrauchbar, nur eine Spielerei.

Live-View ist recht nett, für mich aber durch den sehr hellen Sucher selten interessant - nur dann, wenn es wirklich auf den ganz genauen Bildausschnitt ankommt - wie bereits gesagt, da die D700 ja nicht 100% des Bildes zeigt, sondern die üblichen 95%.

LifeView einer Szene

Was gibt es noch zu erzählen, bevor ich mit den Aufnahmen und den visuellen und farblichen Auswertungen anfange - gibt es etwas, was ich zumindest nicht so schätze an dieser Kamera - ja, doch. Zwei Dinge - erstens, wie bereits erwähnt, der nur 95% Sucherinhalt (die D300 hatte auch 99,9%, nicht nur die D3) und die etwas klein geratene Batterie für die vielen visualisierenden Funktionen- mit denen man auch gerne spielt, die alle Strom brauchen (dafür kann man aber den Batterieteil anschließen, der die Kamera aber wieder größer und schwerer macht). Der Weißabgleich - nun da habe ich die Hoffnung schon längst aufgegeben, der ist eben so wie er üblicherweise ist - nicht perfekt. Der Vorteil - es gibt immer noch etwas, wobei man ein wenig nachdenken und ein wenig Können haben muss, sonst würde nur mehr die Motivklingel mit automatischen Selbstauslöser fehlen.....Ein wenig Bedenken habe ich bei der einfachen Gummiabdeckung auf der linken Seite, die u.a. den Anschluss für das USB Kabel abdeckt - diese Gummiabdeckung schließt zwar ordentlich, ich denke aber, dass sie bei oftmaliger Betätigung nicht sehr lange geschlossen hält - der Schließmechanismus erscheint mir zu fragil.

Was mich als leidenschaftlicher "Hochauflösungsfreak" immer interessiert, ist die Frage der Auflösung der Aufnahmen. Ich möchte keinen weiteren Beitrag zu der leidigen Diskussion um Megapixel beisteuern, ich möchte nur ein paar Überlegungen anstellen, um zu sehen, wie die 12 Megapixel auf Vollformat sich zeigen und wie nicht.
Die Pixelgröße ist 8,4 Mikron, wie bei der D3 - im Vergleich dazu hat die D300 bei einem Format von 23,6x15,8mm 12,3 Megapixel, die daher viel kleiner sind - das bedeutet, wie bestens bekannt, mehr Rauschen, weniger eingefangene Photonen etc.
Ein Druck in bester Photoqualität sollte etwa 300dpi haben, also auf einer Größe von 10 inch sollten es 3000"dots" sein. Das Format der D700 gibt ein Bild mit etwa 4250 x2800 Pixel - wenn man keine Interpolation macht, so kann bei dieser Pixelzahl theoretisch eine Aufnahme bis auf 9,5 inch x 14 inch, also etwa A4 gedruckt werden - immer vorausgesetzt, dass man keinerlei Manipulationen macht. Nun darf man aber die normale Auflösung eines durchschnittlichen menschlichen Auges nicht vergessen, das sind etwa 6-7lp/mm bei der Normdistanz von 25cm, also etwa 150-180lp/inch. Wenn man dann noch ein verlustarmes re-sampling einer digitalen Aufnahme mit einem 50% Vergrößerungsfaktor zulässt, so kommt man leicht, ohne visuell feststellbare Qualitätseinbusse, auf eine "erlaubte" Druckgröße von etwa A3+. Diese Größe ist aber üblicherweise nicht mehr für eine Betrachtung im "Normalabstand" von etwa 10 inch, also etwa 25cm gedacht, üblicherweise betrachtet man ein A3+ aus mindestens der doppelten Entfernung wenn nicht noch mehr - und damit ist die Frage der Auflösung und der Pixel nur mehr theoretisch.
Unter diesen Umständen kann man also getrost Aufnahmen der D700 auf etwa A2 bis A1 vergrößern und das sollte doch für diesen Kundenkreis nun wirklich reichen - denn, wenn Aufnahmen dann kommerziell gedruckt werden, gehen oft die vielen feinen Details, die vielleicht noch in einem Inkjet Einzeldruck sichtbar sind, im feinen Raster des Drucks unter (Ausnahmen natürlich die hochqualitativen Kunstdrucke, aber für solche Anwendung würde ich auch keine D700 verwenden, außer ich setze die finale Aufnahme aus einzelnen Teilaufnahmen mit einer D700 zusammen, wie es bereits mit einer D2x gemacht wurde).
Haben Sie eine solche Anwendung,...dann würde ich Ihnen als Anfang eine Hasselblad mit dem neuen 50 Megapixel Sensor empfehlen oder noch besser, eine gute alte Großformatkamera mit nachfolgendem Scan der Aufnahmen - pro Scan zwischen 1GB und 3GB - dann können Sie Wände damit tapezieren!

Ich habe versucht, innerhalb der kurzen Zeit einige Funktionen und Eigenschaften mit Bildmaterial zu belegen bzw zu sehen, wie diese sich auf die Aufnahme auswirken. Eine der Funktionen, die ich interessant fand, ist die Funktion der Vignettierungsminderung. Diese sollte die bei manchen Objektiven vorhandene Randabschattung mindern - diese ist bei kompakt konstruierten aber hochoffenen Telezooms und bei weitoffenen Weitwinkelobjektiven häufig anzutreffen. Da ich kein 2,8 Telezoom habe, habe ich ein 2,8 Ultraweitwinkel genommen - das 2,8/14-24 G-ED. Die Aufnahmen brachten folgendes Ergebnis: Die Abschattung wurde nicht gemindert, egal, welche Einstellung man gewählt hat. Warum - nun, ich wurde dahingehend informiert, dass dieses Feature nur dann beginnt zu wirken, wenn die Abschattung schon fast zur Abdunkelung der Bildecken führt, nicht bei leichten Abschattungen, die vielleicht 1-2 Blendenstufen ausmachen. Nun gut, ist mir auch recht, nur sollte das irgendwo deutlich stehen. Die beiden Bildstreifen zeigen den Effekt (oder auch nicht ) der Vignettierungskorrektur an der Längsseite (von linker Bildecke zur rechten Bildecke) der Aufnahme - ein blauer Himmel, oben die VK ausgeschalten, die zweite, untere Aufnahme auf maximale Stärke. Praktisch kein Unterschied festzustellen.

VK Aus

VK Maximum

Einen ähnlichen Effekt habe ich übrigens beim neuen SB900 Blitz gefunden - der hat eine verstellbare Ausleuchtungseinstellung - von normal über eher eng auf weit - auch kaum ein Unterschied bei einer weißen Wand festzustellen.

Ein gut sichtbarer Effekt tritt ein, wenn man die Farbsättigung, den Farbeindruck wechselt - da gibt es drei programmierte Varianten, die man aber noch weiter verfeinern kann, wenn man möchte - Neutral, Standard und Brilliant. Hier die Ergebnisse - deutlich und gut sichtbare Unterschiede - links neutral, in der Mitte standard und rechts davon brilliant

                   

links-neutral, Mitte-standard, rechts-brilliant

Eine der Eigenschaften einer DSLR, die mich sehr interessieren, ist die Weißabstimmung - hier bietet der D700 eine sehr umfangreiche Anzahl von voreingestellten Abstimmungen und auch die Möglichkeit, individuell auf fast alles, was Licht gibt, einzustellen. Der automatische Weißabgleich ist gut, wie bei allen neueren Nikon DSLR Modellen, aber nicht perfekt. Solange man bei einem "üblichen" Licht photographier, also bei Tageslicht mit ein wenig Wolken vielleicht, ist alles fein. Ändert man jedoch die Farbtemperatur, so wird es etwas komplex - die Farbwiedergabe ist manchmal akzeptabel, oft aber nicht sehr beeindruckend. Der manuelle Abgleich jedoch funktioniert sehr gut und so kann man mit Hilfe eines Weißglaswabenfilters und der WB-pre Stellung sehr gute und visuell ansprechende Resultate erzielen. Durch die eingebaute Farbabstimmungsmatrix kann man auch manuell die Farbqualität von weiß optimieren und so z.B. auf Metallhalogenidlampen einstellen - dies geschieht, indem man den Weißpunkt entsprechend dem rot-grün-blau-gelb Anteil des Lichtes verschiebt (eine La*b* Farbmatrix simuliert).  Umfangreich aber gut durchführbar sind diese Einstellmöglichkeiten, nur wäre es doch recht schön, wenn zumindest die 3200K Kunstlichtvoreinstellung der Automatik etwas präziser wäre, aber offenbar kann man nicht alles haben. Hier sieht man wieder, dass das Farbmanagement von der D3 übernommen wurde, es ist recht gut, aber nicht perfekt.

Um nicht wieder die ganze Reihe von verschiedenen Beleuchtungsarten und deren Auswirkung auf die Farbqualität zu zeigen - die Resultate waren mit denen der D3 praktisch identisch, habe ich nur ein Beispiel genommen, das zugegeben ein unangenehmes Licht darstellt - kaltweiße Leuchtstofflampen. Die linke Aufnahme zeigt das Resultat in der Stellung automatischer Weißabgleich, die rechte Aufnahme die mit dem Weißwabenfilter Expodisk und der Option WB-pre erhaltene Aufnahme, die ich als sehr gut brauchbar bezeichnen würde.

    

links - kalt-weisses Leuchtstofflampenlicht, rechts - mit Expodisc neutralisiert

Natürlich sind solche Lichtverhältnisse weder Standard noch "normal" aber ich wollte ausprobieren, ob die D700 das Farbmanagement der D3 übernommen hat oder ob in der Zwischenzeit Verbesserungen daran gemacht wurden. Bei üblichen Lichtverhältnissen kommt die D700, wie der D3 mit der automatischen Festlegung des Weißpunktes gut zurecht - außerdem sollte man nicht vergessen, dass alle automatischen Systeme auf bestimmten Vorgaben beruhen, und diese sind normale, einfache und übliche Muster und Farbkombinationen von üblichen Motiven unter üblichen Lichtverhältnissen.

Rauschen (bei hohen ISO Werten) - ein weiteres Merkmal von Digitalkameras - hier soll ja auch die D700 die hervorragenden Algorithmen der D3 übernommen haben. Also habe ich die gleichen Tests, wie ich sie mit der D3 gemacht hatte, auch mit der D700 gemacht und wollte sehen, was passiert. Ich möchte nicht verheimlichen, dass es in der Nacht, wo ich die Aufnahmen machte, regnete und daher die Lichtreflexionen der Strasse auf die Hausfronten geringer ist als bei trockenem Wetter, aber ich möchte hier die direkten Vergleiche zeigen....nicht ganz die D3 bei den ganz hohen ISO Stellungen. Ist das ein kleiner Kompromiss von Nikon oder haben der Regen und die damit etwas dunkleren Hausfronten doch so einen bedeutenden Einfluss gehabt? Links die D700 (bei Regen) und rechts die D3 (bei Trockenheit) - wenn ich wieder Gelegenheit habe, die D700 zu bekommen, werde ich diesen Test wiederholen, da mich das wirklich interessiert!

Links außen - D700 bei ISO25600 -----Mitte D3----- rechts oben - D700 bei ISO6400

 

Was ich aus der gesamten Aufnahmereihe von über zwei Dutzend Aufnahmen sehe ist, dass die D700 bis inklusive ISO 6400 gleich ausgezeichnet ist wie die D3, bei den beiden obersten Stufen, ISO 12800 und 25600 jedoch, erscheint mir, zumindest im Augenblick, die D3 etwas der D700 überlegen. Vielleicht falsch, aber das ist das, was ich im Augenblick sagen kann.

Eine weitere Möglichkeit, die mich interessiert hat, ist die Option, ein Bild entweder mit 12bit oder als 14bit Farbinformation aufzunehmen. Ich habe daher das IT8.7 Testchart in beiden Modi bei Normlicht aufgenommen - die Unterschiede sind nur sehr undeutlich auf den hier gezeigten und für die Publikation komprimierten Wiedergaben erkennbar, aber dennoch, in den hellen Bereichen geringer Farbsättigung kann man (bei entsprechend kalibriertem Monitor) doch Tonunterschiede erkennen.

 

oben - 14bit

unten - 12bit

Auflösung, ein immer interessantes Thema - das ist natürlich auch für mich interessant gewesen zu sehen, wie sich die D700 im Vergleich zur D3 verhält. Eigentlich sollte es ja keinen Unterschied geben, da die gesamte Aufnahmeelektronik und der Sensor von der D3 übernommen wurde. Daher photographierte ich wie immer sowohl das Auflösungstarget ISO 12233 - hier abgebildet

 als auch den Siemensstern. Als Objektiv habe ich das 2,8/60mm AF Makro von Nikon verwendet, eine hervorragend korrigierte Festbrennweite. Wie immer auch, wurden die Aufnahmen von RAW in TIFF umgewandelt (in Capture NX2) und dann im Programm IMATEST ausgewertet. Hier die Resultate - begonnen mit der Standardeinstellung ex Werk, Schärfungsstufe 2 - zu sehen ist ein Screenshot mit der MTF für diese Anordnung.

Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass diese Standardeinstellung ziemlich genau die optimale Einstellung trifft - kaum Undersharpening, kaum ein Overshooting und die Auflösung von etwa 2250 LW/PH ist ordentlich und entspricht den Erwartungen an einen 12 Megapixel Sensor bei Vollformat.

Zur Bestätigung der Tatsache, dass die Schärfung einen wesentlichen Einfluss auf die Modulationstransferfunktion hat, hier die Stellung mit keiner Schärfung - also in Null Stellung an der D700

Wie zu erwarten war, ist die MTF deutlich geringer geworden - und wenn die Schärfung stärker gemacht wird - die folgende Aufnahme wurde in der Stellung 5 der Schärfungsskala an der D700 gemacht, also mit einer deutlich starken Schärfung

Bereits am eingeblendeten Crop kann man das Überschwingen an der Kante erkennen, ein Effekt, der in einem Bild dann als Konturierung einer dunklen Grenzlinie auftritt - helle Ränder die die dunkle Grenze umgeben. Es ist also immer wichtig, alle MTF Angaben mit Vorsicht zu betrachten und wenn bei den Angaben nicht gesagt wird, bei welcher Bildschärfung und welchen anderen optischen Bedingungen die Aufnahmen gemacht wurden, so sind diese kaum oder gar nicht vergleichbar und wenig aussagekräftig - ein Fehler der immer wieder in vielen Tests auch angesehener Fachpublikationen gemacht wird.

Eine weitere Methode, die MTF einer Kamera zu messen, ist die Aufnahme eines modulierten Siemenssterns. Es gibt dazu eine lange Liste von entsprechender Literatur und ich empfehle den Interessenten, diese zu lesen, falls die Frage aufkommt - warum ist der Stern moduliert und nicht nur rein schwarz-weiß und wieso ist diese Anordnung genauer und richtiger.

Jedenfalls sind die so erhaltenen Resultate sehr ähnlich denjenigen, die man mit der "slanted edge" Methode erhält - hier zum Vergleich nur eines der vielen Ergebnisse - wieder mit der Schärfungsstufe 2 bei Blende 8 und ISO 200 in Adobe RGB - bitte beachten Sie: die Ergebnisse sind in Linienpaaren/Bildhöhe dargestellt, was die halben Werte der sonst so oft genommenen Werte LW/PH ergibt:

Die Darstellung der gleichen Auswertung in der in vielen Zeitschriften üblichen Form von LW/PH ergibt die bereits vorher errechneten Werte von etwa 2500 bei MTF20 ohne Korrekturen. Viel realistischer es es aber, die Werte bei MTF50 (also derjenigen MTF, wo die Kontrastfunktion eine noch 50% Amplitude hat) zu nehmen - dann ergibt es eine MTF von etwa 2000 LW/PH. Diese Werte sind etwa denen gleich, die die D3 erreicht hat (siehe die entsprechende Review)

 

Was wäre eine Review ohne der Auswertung der Farbwiedergabe - für mich würde sie fehlen. 12bit, 14bit, 16bit....all das sind schöne Schlagworte, aber wie gut ist die Farbwiedergabe bei der D700? Wie bei der D3, besser, weniger gut, anders?

Also, wie immer, der Colorchecker SG wurde mit verschiedenen Einstellungen hinsichtlich der Farbsättigung und des Farbtones photographiert und dann mit dem Programm IMATEST ausgewertet. Hier die Ergebnisse:

Farbraum - Adobe RGB in Neutralstellung, Farbsättigung 0, Farbton 0 - also alles mittig ohne Abschwächung oder Verstärkung, Normlicht 6500K, Auto WB

Eine andere Darstellung dieser Auswertung ist statt in Falschfarbendifferenzen die CIE1931 Graphik und die darin aufgenommene Position der einzelnen Farbquadrate mit soll und ist Ort und deren Abstand:

Eine Veränderung der Einstellungen an der Kamera hat, wie es zu erwarten ist, dramatische Auswirkungen auf die Farbwiedergabe. In den beiden folgenden Charts wurde im Adobe Farbraum der Kamera die Farbsättigung verändert - zuerst um 3 Einstellungsstufen an der Kamera verringert und dann in dem zweiten CIE Chart um 3 Stufen erhöht:

 

Verändert man den Farbton bei Nullstellung der Sättigung verändert sich logischerweise auch das Ergebnis - hier wieder zwei Charts - zuerst der Farbton mit minus 3 und dann mit plus 3 Einstellstufen an der Kamera verändert:

 

Was mit diesen vielen Diagrammen (es gibt noch viele mehr...) zu zeigen geht, ist die Veränderung der resultierenden Farbwiedergabe der Kamera. Mit solchen Einstellungen kann man Diafilme oder Farbnegativfilme und dazu noch die Farbwiedergabe einzelner Marken simulieren - nicht perfekt, aber nahe herankommend. Interessant ist es aber, dass bestimmte Farben kaum verändert erscheinen - auch nicht dann, wenn andere Farben wiederum stark geändert dargestellt werden - der Grund liegt in der Nichtlinearität der CIE1931 Farbraumdarstellung. Die einzelnen Farbbereiche sind unterschiedlich in ihrer Ausdehnung und gleich bewertete Farbtonänderungen haben eine ganz unterschiedlich graphische Länge in diesem Diagramm - so z.B. ist eine groß erscheinende Positionsänderung in Grün subjektiv vergleichbar mit einer klein erscheinenden Positionsdifferenz im Bereich Blau/Rot (McAdam Ellipsen).

Was man auch aus diesen Aufnahmen und den Auswertungen ableiten kann, ist, dass die Nikon D700 im Hinblick auf Farbwiedergabe sehr gut ist. Um dies noch einfacher zu zeigen, wurde auch die Standard Gretag Macbeth Colortafel mit den 24 Quadranten unter gleichen Bedingungen photographiert. Hier die entsprechenden Ergebnisse, ebenfalls für die Einstellung - Adobe RGB als Farbraum der Kamera in Neutralstellung , "0" Farbsättigung und "0" Farbton

Die erste Darstellung ist die Abweichung der aufgenommenen Farbe von der theoretisch richtigen Farbe und der vielfach verstärkte Neutralunterschied - ist zu soll von hellstem Wert bis dunkelstem Wert, die darauf folgenden zwei weiteren Charts sind Darstellungen von Rauschen, Dichte und Linearität und die letzte, wieder farbige Darstellung ist die auf 24 Felder beruhende Darstellung der Farborte im CIE1931 Diagramm

 

In diesem Diagramm, der Darstellung der Farborte im CIE1931 Farbraum kann man sehen, dass das Delta E hier bei dem einfacheren Colorchecker auf Grund der wenigeren Farben etwas kleiner ist als bei dem viel mehr Farben darstellenden Colorchecker SG - zumindest ist diese Schlußfolgerung recht logisch und kann eine gute Erklärung für den deutlich geringeren Delta E Wert abgeben.

Nikon hat als voreingestellten Standardfarbraum nicht Adobe RGB sondern Nikon SRGB - wenn man die gleichen Aufnahmen in jenem Farbraum macht, so kommen erwartungsgemäß etwas andere Ergebnisse heraus - bitte beachten Sie, dass Adobe RGB ein weiterer Farbraum ist als SRGB daher werden farbliche Abweichungen durch die forcierte Verlagerung der Farborte in den SRGB Farbraum hinein, etwas größer und die Kamera erscheint etwas weniger farbkonsistenter als in ARGB.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Nikon D700 eine hervorragende Kamera ist, die nach meiner subjektiven Meinung nach, nur sehr wenige Punkte aufweist, die mir weniger gut gefallen. Viele Vorteile gegenüber der D3 wie etwa das geringere Gewicht, die kleinere Gehäuseform, der fast halb so hohe Preis (zur Zeit der Veröffentlichung), die bequemere Handhabung (weil etwas "einfacher" konzipiert) wiegen die wenigen Punkte mehr als auf, die ich nicht so gerne hatte, wie etwa der nicht 100% darstellende optische Sucher oder die ein wenig knapper konzipierte Batterieleistung. Daher komme ich zur Ansicht - wenn man Nikon möchte, die zur Zeit etwa 2500 Euro aufbringen möchte und kann, so sollte diese D700 unbedingt die Kamera der Wahl sein.

Zum Schluss, wie immer, einige wenige Aufnahmen, die alle mit der D700 gemacht wurden, die ich leider nur ein paar Tage zur Verwendung haben konnte.....!

Hohe Wand, (bei viel Wind..)Niederösterreich
Link zur vollen Auflösung (JPEG)

 

Evangelische Schule Karlsplatz, Wien
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Der älteste Baum am Karlsplatz, Wien
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Beim Heurigen in Pfaffstaetten, Niederösterreich
Link zur vollen Auflösung (JPEG)

 

 

 

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