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NIKON D3x

Ist dies der Olymp der digitalen Kleinbildphotographie?

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Wenige Tage vor Weihnachten erhielt ich den ersehnten Anruf - wollten Sie nicht die D3x über die Weihnachtsfeiertage ausprobieren und dann darüber schreiben - wir hätten noch eine zur Verfügung, einer der Personen, die sie noch für einen Artikel wollte, geht doch lieber erst Skifahren.....zum Glück für mich gehe ich nicht mehr Skifahren!

Da hielt ich sie also in der Hand - dieses 7000 Euro Ding und das Nikon 2,8/ 24-70mm Objektiv gleich dazu - an dieser Stelle wie so oft: Vielen Dank an Nikon Österreich!!

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Also, Unterschiede zur D3 sehe ich nur drei, wenn ich die Kamera von aussen ansehe - es steht insgesamt dreimal D3x statt D3 auf der Kamera...wo ist also der Hauptunterschied sonst noch, als in dem Sensor? Nun, es gibt einen markanten Unterschied, die D3x ist für einen anderen ISO Bereich konzipiert - von ISO 50 (eigentlich ISO 100 minus 1 Stufe) bis ISO 6400 (eigentlich ISO 1600 plus 2 Stufen) - und die Kapazität für Serienaufnahmen ist geringer als die der D3 - aber wer will schon mit fast 25 Megapixel längere Serien schiessen? Die Files der D3x, als TIFF, sind etwa 70 MB groß, das bedeutet, man braucht eine recht grosse Speicherkarte, oder besser gleich zwei, um entsprechend genügend Speichervolumen zu haben. Da ich aber fast nur mit RAW arbeite - da sind die Files auch viel kleiner (etwas 20MB), habe ich mit einer 8GB Flashcard ausreichend Speicher um alle Aufnahmen, die ich machen möchte, ohne Kartenwechsel zu realisieren. Ausserdem hat die D3x, so wie schon die D3, einen zweiten, gleichartigen Speicherkartenplatz, und damit kann man entweder mit 16GB mobilem Speicher versehen sein oder den zweiten Platz als Sicherungsspeicher der ersten Karte verwenden.

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Nun aber zum Sensor, das ist ja der Kern der neuen Kamera. Es ist der Sony Sensor mit 24,5 Megapixel und ich fragte mich einige Zeit vorher, warum wohl die D3x so viel teurer ist als die neue Sony Alpha 900, die ja den gleichen, praktisch identen Sensor eingebaut hat. Aber der Sensor ist nicht das teuerste Detail und macht nicht den Preisunterschied aus - die Sony Alpha 900 ist eine hochwertige Kamera für gehobene Auflösungsansprüche von Amateuren (Sony - sorry, aber ich sehe es so) und die Nikon D3x ist eine absolute Professionalkamera - allein schon die Tatsache, dass der Schlitzverschluss der Nikon für 300.000 Auslösungen ausgelegt und geprüft ist, hebt sie von anderen Kameras ab. Zusätzlich hat die D3x eine elektronische Routine eingebaut, welche die Funktionstüchtigkeit des Verschlusses überprüft und verfolgt. Die Kamera ist auch sehr schnell betriebsbereit - 0,12 sec nach dem Einschalten und nur 0,04 sec Verzögerung nach dem Auslösen des Verschlusses beginnt die Aufnahme.

Nun zurück zum Sensor - die D3 hat einen Sensor mit etwa 12 Mio Pixel und die D3x einen mit etwas mehr als doppelt so vielen Pixel - was bedeutet das für die erreichbare Auflösung und die Wiedergabequalität von Details bzw. Farben? Doppelt so viele Pixel bedeutet nicht doppelt so hohe Auflösung, das ist mathematisch leicht beweisbar, aber die Auflösung ist deutlich besser als die der D3, beeindruckend besser. Nikon hat eindeutig viel mehr mit dem Sensor gemacht, als diesen nur als OEM Ware eingebaut - die Aufnahme bestechen durch eine beeindruckende Klarheit, Farbfehlerfreiheit - auch an den Rändern und durch ein, für diese grosse Menge an Pixel auf dem kleinen 24x36mm Format, beeidruckend geringes Rauschen bei dunklen Motiven und bei höheren ISO Werten - mehr dann weiter unten an Hand von Aufnahmen. Der Sensor selbst hat 25,72 Mio Pixel, von den für das Bildformat 35,9x24mm 24,5Mio Pixel verwendet werden. Bei diesem vollen Format hat die Aufnahme 4032x6048 Pixel - damit hat also die vertikale Auflösung eine "Gitterkonstante" nicht ganz 6 mikron pro Zelle inklusive Abstand zur nächsten Zelle. Damit ein Objektdetails optisch durch eine Zelle aufgelöst dargestellt wird, muss daher eine Zelle das eine Details erkennen, dann muss eine Zelle Zwischenraum sein und dann das nächstliegende Detail in der dritte Zelle liegen - das bedeutet, die optische Auflösung (ohne Interpolation durch die Elektronik) des Sensors ist etwa 6 Mikron bezogen auf 24mm Länge, was etwa 5mal besser ist als der zulässige Durchmesser des Zerstreuungskreises eines Bildpunktes bei gleichem Filmformat. Real jedoch muss die optische Auflösung etwa 12 Mikron betragen, da der Mittelpunkt eines Punktes, der noch aufgelöst werden soll, in der Mitte der Zelle liegen muss, damit bei einem klein angenommenen Beugungseffekt (Halbmesser etwa 3 Mikron) die beiden Punkte genau voneinander getrennt dargestellt werden - also reduziert sich der Vorsprung der Auflösung zu etwa 2,5 fach besser als der akzeptierte Wert bei konventionellen Kleinbildfilmen. Diese Betrachtung ist aber nur für diejenigen Photographen von Interesse, die auch die optisch besten Objektive und die optimalsten Aufnahmeverhältnisse einhalten. Aber jemand, der eine Kleinbildkamera mit 24,5Mio Pixel verwendet, der spart üblicherweise nicht bei den Optiken und verwendet Stativ und weiss was notwendig ist, um die volle Leistung aus der Kamera herauszuholen.

Im Vergleich zur D3 - deren Sensor hat ja 12,87 Mio Pixel, von denen 12,1 Mio Pixel für das Aufnahmeformat 23,9x36mm verwendet werden, ist die D3x also deutlich höher gelegen. Um wieviel besser ist sie aber? Nun rechnerisch bedeuten die 12,1 Mio Pixel in der höchsten Auflösung mit dem größten Format 2832x4256 Pixel, was wiederum in der Vertikalen 23,9mm / 2832 = etwa 8,5 mikron. Damit ergibt sich eine Besserstellung der D3x gegenüber der D3 um einen Faktor von etwa Quadratwurzel aus 2, als etwa 1,41 - was wiederum sich logischerweise aus der Tatsache ergibt, dass die D3x etwa doppelt so viele Sensorzellen hat wie die D3.

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Einen Nachteil hat dieser hochauflösunde Sensor schon - er zeigt gnadenlos, wenn man nicht korrekt fokussiert oder verwackelt oder wenn das Objektiv keine optimale Qualität hat! Die Kamera ist also nichts für diejenigen, die zwar 7000 Euro für ein Gehäuse ausgeben möchten (vielleicht um damit zu beeindrucken) aber dann nur 500 Euro für ein Universalzomm, etwa ein 28-300mm!

Der Sucher ist ident mit dem der D3, also ein praktisch 100% Bildausschnitt für das ganze volle Format und die Einblendung der anderen Formate, die auch möglich sind - das kleinere DX Format (16x24) und das 5:4 Format (24x30mm). Er ist hell, klar, aufgeräumt und auch für Brillenträger gut einzusehen (die Austrittspupille des Suchers ist 18mm ausserhalb gelegen). Das Display auf der Rückseite der Kamera hat die gleichen Eigenschaften wie das der D3 - sie sind identisch.

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Die Belichtungsmessung arbeitet wie bei der D3 mit einem 1005 Pixel RGB Sensor und die arbeitet genaus so gut und exakt. Der Messumfang der Elektronik ist gleich wie bei der D3, also maximal von 0 bis 20LW.

Der Empfindlichkeitseinstellungsbereich, wie bereits erwähnt, einer der markanten Unterschiede zur D3, ist bei der D3x von ISO 100 bis ISO 1600 und mit der Nikon-üblichen Erweiterungsbereichphilosophie dann ISO 50 bis ISO 6400 wogegen es bei der D3 von ISO 200 (bzw 100) bis ISO 6400 (bzw 25600) geht.

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Die Blitzgeräte der neuen SB Serie, SB-900, SB-800, SB-600 und SB-400 sind in der i-TTL Methode natürlich genauso voll integriert wie vorher bei der D3.

Der Rückseitenmonitor ist identisch zu dem der D3, wie auch praktisch alle anderen Bedienungsfunktionen, Knöpfe, Tasten, Riegel, Anzeigen etwa ident sind - ein Unterschied logischerweise im Menu - die Empfindlichkeitseinstellung geht natürlich nur innerhalb des erwähnten Bereichs.

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Wieso die D3x um etwa 20Gramm leichter ist als die D3 verstehe ich nicht, das ist aber auch der einzige Unterschied - die Masse sind sonst identisch. Daher werde ich auch keine weiteren Ausführungen mehr dazu machen, es steht ja alles bereits im Bericht über die D3 geschrieben.

Jetzt aber zu den Ergebnissen meiner Tests - ich habe die Auflösung, die Farbwiedergabe und das Rauschen als Punkte des hauptsächlichen Interesses konzentriert und die volle Auflösung der Kamera kann man ja ohnedies nicht online wiedergeben - wer möchte schon gerne ein oder mehrere Files von je 70 MB laden....

 

Hier zum Anfang ein Blick auf das Wiener Apollo Kino - am Abend aufgenommen. Damals mit der neuen D3:

 

Ich habe nun vom gleichen Standpunkt aus vergleichbare Aufnahmen mit der D3x gemacht (rechts) und die sind hier zu sehen - zusammen mit denen der D3 (links):

D3 NachtdetailsD3xNachtaufnahmen

Ich finde dieses Ergebnis ausgesprochen interessant - ich hatte mir für diesen Sensor ein deutlich stärker sichtbares Rauschen erwartet - aber das ist nicht der Fall! Wenn man die Details bei ISO 3200 und 6400 vergleicht - da ist doch fast kein Unterschied vorhanden, was das Rauschen betrifft und durch die höhere Bildauflösung erscheint die Aufnahme der D3x noch etwas besser - oder täusche ich mich? Für mich interessant ist auch das sichtbar unterschiedliche Belichtungsverhalten der beiden Kameras - die D3x ist in den unteren ISO Bereichen der D3 ziemlich ähnlich, in den oberen ISO Bereichen ist die D3x meiner Ansicht nach ansprechender, da die D3 für meinen Geschmack die Aufnahmen zu hell belichtete (natürlich gleiche Messart eingestellt). Hier sieht man, glaube ich, dass der Sensor der D3x nicht aus dem gleichen Haus kommt bzw. nicht die gleiche on-board Ausleseeinheit hat, wie der Sensor der D3 - ich persönlich finde die Ergebnisse der D3x Nachtaufnahmen ansprechender als die der D3.

Um das noch weiter zu sehen, habe ich die Kamera auf einen Kurzaufenthalt nach Zürich mitgenommen (von einem Weihnachtsessen zum nächsten gewandert...) und dort von der Limmatbrücke die Altstadt aufgenommen - auch eine Position, die ich schon mit anderen Kameras auch aufgenommen hatte. Der grün markierte Bereich ist der des nachfolgenden Ausschnitts:

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Hier die Ergebnisse - ganz links, die konventionelle Aufnahme auf Kleinbildfilm mit einer F100 und einem Fuji 100 ASA Film, daneben die Nikon D2Xs und ganze rechts die neue D3x - mit dem 24-70mm /2,8 AF Nikkor ebenfalls bei ISO 100.

D3XZuerichNacht

Es war natürlich eine andere Jahreszeit, dunklere Nacht aber die Unterschiede - das ist einfach eine andere Liga von Kamera, diese D3x - der Unterschied zwischen der D3x und der D2Xs, der ist beeindruckend!

Was mich sehr interessierte, war ein weiterer Vergleich des Verhaltens der Kamera bei Nachtaufnahmen, also dunklen und zum Teil sehr kontrastreichen Motiven und unterschiedlichen ISO Einstellungen - mit und ohne der variablen Rauschunterdrückung. Hier die Ergebnisse:

Vorerst wieder das gesamte Bild - natürlich stark komprimiert um online ladbar zu machen - das Original war ein RAW mit 20MB bzw. ein TIFF mit 70MB Größe

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In der Mitte befindet sich rot markiert ein beleuchtetes Haus und rechts davon ein recht dunkler Bereich - dies ist die Auswahl, die ich dann aus den folgenden Aufnahmen genommen habe um die Aufnahmequalität zu zeigen

 

ISO100ISO200

ISO 100 links, ISO 200rechts

ISO400ISO800

ISO400links, ISO800rechts

 

ISO1600 ISO1600RRedN

ISO1600 links - ohne Rauschreduktion, rechts mit normaler Rauschreduktion

 

IS3200ISO3200RRedN

ISO3200 links - ohne Rauschreduktion, rechts mit normaler Rauschreduktion

ISO3200RRedSt

ISO3200 mit starker Rauschreduktion

 

ISO6400ISO6400RRedN

ISO6400 links - ohne Rauschreduktion, rechts mit normaler Rauschreduktion

ISO6400RRedSt

ISO6400 - starke Rauschreduktion

Für mich sieht es so aus - bis ISO 1600 ist die D3x sehr gut auch ohne Rauschreduktion verwendbar und dann - naja, ich denke, hier auf diesen Aufnahmen zumindest erscheint es mir so, dass diese Rauschreduktion über ISO 1600 nicht sehr viel bringt, wenn überhaupt. Bei ISO 1600 erscheint es mir, dass die Aufnahme mit der normalen Rauschreduktion etwas besser gemacht wurde.

Also würde ich über ISO 1600 diese eingebaute Rauschreduktion nicht als sehr effektiv ansehen - aber wahrscheinlich ist das eine Angelegenheit persönlicher Präferenzen. Wenn das Rauschen reduzieren, dann würde ich eine solche Aufnahme mit dem "NeatImage" Algorithmus behandeln, der eliminiert Rauschen sehr gut und kann als Plug-in aus dem Photoshop verwendet werden. Hier der mit "Neat Image" rauschreduzierte Crop der gleichen Aufnahme - ist doch besser!

ISO6400NeatImage

Damit der Vergleich wirklich gut sichtbar ist, habe ich den Crop von ISO6400 mit starker RR und denjenigen von Neat Image noch einmal nachvergrössert:

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Oben: Starke Rauschreduktion der D3X

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Rauschreduktion mit Neat Image im PS3

 

Als nächster, für mich sehr interessanter Aspekt einer so hoch auflösenden Digitalkamera ist die Frage wieviel besser diese wirklich auflöst - wie bereits erwähnt, kann man sich keine Verdoppelung der Auflösung bei einer Verdoppelung der Pixelanzahl erwarten, aber sie sollte doch deutlich besser auflösen - das haben ja auch die Aufnahmen gezeigt.

Ich habe also wie immer sowohl den Sinus-Siemensstern, als auch die schräge Linie (slanted edge) genommen und mit den entsprechenden Auswerteroutinen die Auflösung in Linienpaaren /Bildhöhe bestimmt. Wie bereits bei anderen Gelegenheit erwähnt, ist hierbei zu beachten, dass die erreichte Auflösung nicht nur von der Qualität des verwendeten Objektivs, sondern vor allem von der Einstellung der Schärfung des digitalen Bildes abhängt. Eine Überschärfung erzeugt die unerwünschten und störenden Artefakte, ein Überschwingen und Detailverlust und eine Unterschärfung nutzt den möglichen Schärfeumfang nicht voll aus.

Hier die Ergebnisse - als Objektiv habe ich für die kritischeren Sinus-Siemensstern Aufnahmen das 2,8/24-70mm ED Nikkor verwendet, das nicht nur ein neues Objektiv ist, sondern auch für die digitale Photographie im Vollformat gerechnet wurde. Die erste Aufnahme zeigt die MTF für eine Aufnahme ohne jeder Schärfung - der sinnvolle Grenzwert, eine MTF von 20% liegt bei etwa 2500+ LW/PH. Das bedeutet, dass mit einem Sensor von etwas über 4000 Pixel vertikal etwa 2500 Linienpaare vertikal aufgelöst werden - ein Ergebnis der Interpolation der rohen Pixeldaten. Bei einer MTF von 50% ergeben sich etwa 1500+ Linienpaare, was durchaus Sinn macht, da damit gezeigt wird, dass es für eine wirkliche Auflösung von Details mehr oder weniger 3 Pixel vertikal braucht (4032:3=1344) - aber das ist theoretische Betrachtung, da es ja bekannt ist, dass ein digitales Bild zu einem guten Teil durch eine intelligente Interpolation der fehlenden Informationen aus den einzelnen Farbkanälen zusammengesetzt wird. Die "toten" Zwischenräume zwischen den Pixel, die immer kleiner werden, werden dabei auch "ergänzt".

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Keine Schärfung

Wenn die Schärfung einsetzt und in einem richtigen Mass durchgeführt wird, so steigt die erreichte und aufgelöste Anzahl von LP/PH auf etwa 3000 bei einer MTF von 20% bzw. auf etwa 2500 LP/PH bei MTF 50% - weitere Schärfung erzeugt dann Artefakte und ein Überschwingen bei niedrigeren Frequenzen, die einen falschen Eindruck von höherer Schärfe erzeugen - ein oft begangener Fehler beim Schärfen digitaler Aufnahmen. Hier die Schärfung mit Stufe 3 - ab Stufe 4 beginnen dann bereits leichte Artefakte zu entstehen (Die sichtbaren Artefakte innerhalb des Siemenssterns am rechten oberen Rand entstanden durch die Komprimierung als Thumbnail in dem Screenshot)

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Schärfung Stufe 3 auf der Nikon D3x

Es ist auch noch interessant, zu sehen, ob die Auflösung rotationssymmetrisch ist und bei steigenden Schärfungsstufen auch so bleibt - das ist sicher ein Effekt, der nicht nur durch den Aufbau des Sensors, sondern auch durch das Objektiv selbst bestimmt wird. Hier die Schärfung mit Stufe 2 und man kann sehen, dass die Auflösung so mehr oder weniger gleich in allen Richtungen erhalten ist - bei höheren Schärfungsstufen wird das anders - es zeigt sich eine N-S / O-W Polarisierung der Auflösung.

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Polardarstellung der Auflösung bei Schärfung Stufe 3

Die "Slanted Edge", also eine schräge dunkle Trennlinie zwischen einem hellen und einem dunklen neutralen Bereich ist eine ausgezeichnete und rechnerisch recht einfache Methode um die Auflösung und die Farbwiedergabequalität eines digitalen Bildaufnahmesystems zu messen. Hier die Resultate - wie immer mit dem von Norman Koren stammenden Programm "IMATEST" gemacht. Ohne Schärfung ergibt sich erwartungsgemäß eine starke Unterschärfung (hier etwa 25%) und die Nichtausnutzung der möglichen maximalen Auflösung.

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Slanted Edge, Schärfung Null

Die optimale Schärfung in diesem Fall ergibt sich bei der Stufe 2, bei Stufe 3 ergibt sich bereits eine leicht Überschärfung - bei Stufe 2 noch eine sehr kleine Unterschärfung, die aber ziemlich bedeutungslos ist und trotzdem die höchste rechnerische Auflösung bedeutet.

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Schärfung Stufe 2 - saubere 1500 LP/PH bei MTF 50%

Hier erscheint es mir notwendig, diese Ergebnisse im Vergleich zu denen, die ich mit der D3 erhalten und gezeigt habe, zu vergleichen und zu erklären. Auf erstem Blick erscheint es so, dass die D3x keine bessere Auflösung hat als die D3 oder eine vergleichbare Kamera. Das ist aber ein teilweise ein Trugschluss. Wenn man das vergleichbare Diagramm für die D3 betrachtet -

D3 (nicht D3x!) Auflösung bei Schärfung Stufe 2

so sieht man, dass die Anzahl der Pixel für den Anstieg von 10-90% bei der D3 korrigiert etwa 2350 und bei der D3x etwa 3320 sind - das entspricht der erzielbaren Verfeinerung einer Aufnahme. Die Auflösung, also die maximal darstellbare Frequenz, ist bei der D3x etwa 2950 LP/PH und bei der D3 etwa 2080 LP/PH auch das entspricht etwa der Erwartung eines Faktors von etwa 1,4 Verbesserung.

Ein weiterer Aspekt hinsichtlich Auflösung ist die Frage, wie sich die Verwendung von unterschiedlich guter Optik darstellt - hier ein Link zu einer kleinen Darstellung des Vergleichs dreier unterschiedlicher Objektive - jedes bei der Brennweite von 50mm - Objektive/Auflösung

Ein wichtiger Aspekt der D3x ist nicht nur die objektiv höhere Auflösung sondern auch die primär für grosse Vergrößerungen wichtige feinere Struktur einer Aufnahme - die Pixel sind einfach kleiner bei gleicher Bildgrösse. Ist das so oder ist das ein Trugschluss? Hier ein Beispiel - natürlich geht das auch in die gesamte Auflösung und daher in die Bildqualität ein. Die Doppelaufnahme ist in der Mariahilferkirche in Wien entstanden - praktisch der gleich Ausschnitt, links von der D3 und rechts von der D3x

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Links D3, rechts D3x

Hier ein Detailausschnitt aus dem Bereich über dem Hochaltar - deutlich sichtbar, die höhere Auflösung und vorallem die feinere Pixelstruktur der D3x in der rechten Aufnahme

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Links D3 Ausschnitt, rechts D3x Ausschnitt - der Ausschnitt ist in der oberen rechten Gesamtaufnahme rot markiert

_DSC7765Det.jpg_DSC5513DET.jpg

Links ein extrem kleiner Ausschnitt von horizontal 400 Pixel mit der D3x, rechts gleicher Ausschnitt von 400 Pixel von der D3 - der entsprechende Aussschnitt ist im oberen linken Gesamtbild grün markiert

 

Ein weiteres Thema interessiert mich auch immer wieder - die Qualität der Farbwiedergabe. Für viele, die vielleicht diese Review lesen, noch eines dieser trockenen Themen, aber bunte und schöne Aufnahmen kann man mit vielen anderen Kameras auch machen, das ist nicht der von mir angestrebte Inhalt und nicht das Ziel meiner Bemühungen - ich bin mehr daran interessiert, wie gut eine Kamera wirklich ist, wenn man sie bestimmten festgelegten Routinen unterzieht - und eine davon ist die Wiedergabe von definierten Farben, die sich auf genormten Colorcharts finden - zum Beispiel der Gretag Macbeth Colorchart SG, der speziell für digiale Farbkameras konzipiert wurde.

Im Folgenden ist für beide Farbräume, den größeren Adobe RGB und dem kleineren, SRGB, die Farbwiedergabe dargestellt - zuerst als Darstellung im 2-dimensionalen La*b* Farbraum und dann jeweils mit Falschfarben die Farbunterschiede von Soll- zu Istfarben.

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Farbraum La*b* für Adobe RGB der D3x

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Falschfarbendarstellung der Farbunterschiede bei Adobe RGB zwischen Soll- und Istfarben der D3x

 

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Farbraum La*b* für SRGB der D3x

D3xSRGB2

Falschfarbendarstellung der Farbunterschiede bei SRGB zwischen Soll- und Istfarben der D3x

Was die Präzision des automatischen Weissabgleiches der D3x betrifft - da ist sie der D3 ziemlich ähnlich. Ich würde fast sagen, etwas weniger gut in der Automatik und etwas empfindlicher bei manuellem Abgleich. Vielleicht liegt das an dem anderen Sensor, der in der D3x eingebaut ist. Jedenfalls sieht es für mich so aus, als ob ein über den ganzen Dynamikbereicht ebener Weissabgleich nicht wirklich erzielbar erscheint - ist der mittlere Bereich OK, so geht die anderenBereiche in die kälteren Töne und umgekehrt. Dabei möchte ich aber klarstellen, dass die messbaren Unterschied sehr gering sind - im Bereich von etwa 100 K, aber mit entsprechenden Algorithmen messbar. Hier eines der Messresultate - für den Farbraum Adobe RGB bei 6500K

D3X_6500RGB_colors.png

Farbfehler bezogen auf die Gretag Macbeth Farbtafel bei 6500K un Adobe RGB Farbraum

 

Was mir aufgefallen ist, ist der Effekt, dass die Neutralwiedergabe von Grautönen bei der D3x empfindlicher auf "ungenaue" Farbabstimmung reagiert als bei Kameras, die ich bisher angesehen habe. Für eine exakte Farbwiedergabe muss man offensichtlich mit diesem Sensor genauer arbeiten - genauso wie es auch für die Scharfstellung gilt - ein wirklich guter Autofokus und ein wirklich gutes Objektiv sind da notwendig, sonst profitiert man von der höheren Auflösung nur wenig, wie bereits mehrfach erwähnt.

Ist die Nikon D3x nun eine Kamera um mit den vielen vorhandenen Objektiven schnell einmal perfekte Resultate zu bekommen? Ich denke, nein! Es wird sicher notwendig sein - um die bestmögliche Qualität der Aufnahmen mit dieser Kamera zu erzielen - eine Auswahl bei den Objektiven zu treffen und wichtige Parameter gut zu beachten - die Fokussierung, die Weissbalance und die Wahl des Bildformates. Es erscheint mir unnötig, für "normale" einfache Aufnahmen mit der vollen Auflösung zu arbeiten und dann 70 MB TIF Files herumzuschaufeln, aber wenn es darauf ankommt, dann kann die Kamera etwas, was andere (noch) nicht können - hochauflösende Aufnamen mit hervorragender Detailtreue und ausgezeichneter Farbwiedergabe.

Es erscheint mir auch wichtig, zu betonen, dass hier kein Vergleich mit den Mittelformat-Digitalkameras, also etwa einer Hasselblad H3DII, mit Rückteilen bis zu 50Mepapixel, getroffen werden soll - das ist und bleibt auf vorhersehbare Zeit eine andere Klasse (bezüglich Anwendung, Gewicht, Größe und Preis) von Aufnahmesystemen, die mit einer kompakten (trotz der Größe und dem Gewicht der D3x) Kleinbildspiegelreflexkamera einfach nicht verglichen werden können.

Ich habe auch bewusst verzichtet, die vielen Eigenschaften der Kamera, die identisch zu denen der Nikon D3 sind, wieder zu betrachten. Wenn das von Interesse sein sollte, so kann man das bei der Review der Nikon D3 im Vergleich zur D2xs hier lesen. Wie immer ist es mir klar, dass diese Review weder komplett ist noch alle Aspekte behandelt, die für andere Leser interessant sein können, ich habe die Nikon D3x so getestet, wie es mir subjektiv als wichtig und interessant erscheint. Wenn ich gefragt würde, ob dies eine Kamera wäre, die ich mir (wenn ich es mir leisten könnte) kaufen würde, dann würde ich gerne die Frage mit einem eindeutigen Ja beantworten. Meine bevorzugten Aufnahmegebiete, Landschaften, Portraits, Stadtarchitektur, allgemein "Stille Photographie", werden durch die neue Nikon D3x hervorragend abgedeckt.

Zum Abschluss ein paar Aufnahmen, die ich während der sehr grauen Tage gemacht habe - nicht viele, aber vielleicht zeigen sie auch als komprimierte Files die Qualität der Aufnahmen und der Kamera selbst

Auf der linken Seite eine stark komprimierte Aufnahme eines Blumenarrangements ohne irgendwelche zusätzliche Beleuchtung mit automatischem Weissabgleich und rechts davon zwei Ausschnitte daraus

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Eine D3x Aufnahme mit dem 2,8/24-70mm Nikkor und zwei Ausschnitte daraus - Original= 20MB NEF

Die nächste Aufnahme wieder aus Zürich - auf der Brücke der Limmat enstand bei voller Dunkelheit diese Aufnahme - diesmal mit dem 2,8/17-35mm Nikkor bei 17mm Brennweite - wie vorher zwei Details, welche die beeindruckende Qualität der Kamera zeigen

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Zürich, Altstadt von der Limmatbrücke, 17mm, D3x

 

 

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Was jetzt natürlich attraktiv wäre, wäre ein direkter Vergleich der Nikon D3x mit der neuen Sony Alpha900 und der Canon EOS1DsMkIII - aber weder Sony noch Canon haben offenbar daran Interesse noch bekomme ich die Kameras für Tests zur Verfügung gestellt - eigentlich schade....

 

PS: Ich werde recht bald in der Lage sein, beide erwähnte Kameras für kurze Zeit für einen Vergleich zu testen.....darauf bin ich sehr gespannt!

 

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