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LYTRO ILLUM
Anders als die anderen...

 

Fotografie, also die Abbildung einer 3-dimensionalen Struktur in ein 2-dimensionales Medium, basiert u.a. auf der Kenntnis der Wege von Lichtstrahlen und deren räumlichen Verteilung. Bereits Leonardo da Vinci beschäftigte sich mit dieser Thematik und fand z.B. heraus, dass ein Objekt, das mit den Augen betrachtet wird, sich gegenüber dem Hintergrund leicht unterschiedlich orientiert darstellt, je nachdem man es mit dem rechten oder mit dem linken Auge beschreibt oder zeichnet.

Diese Beobachtung ist ja eine der grundlegenden Erkenntnisse, die später zur Entwicklung der Stereofotografie führte. Allen Varianten der Fotografie gemeinsam war und ist die Problematik der räumlich begrenzten Schärfe jedweder Abbildung – die Schärfentiefe. Dieser Bereich begrenzt diejenige Tiefenausdehnung einer zweidimensionalen Abbildung eines dreidimensionalen Objektraumes, die – unter Einbeziehung definierter Kriterien, visuell als „scharf“ angesehen werden kann. Die Ursache dieser Beschränkung liegt in der Wellennatur des Lichts – ein Umstand, auf den in dieser Review nicht näher eingegangen werden soll und kann.

In der Vergangenheit gab es mehrere Versuche und Überlegungen, diesen Bereich optimaler Bildschärfe zu erweitern – eine der attraktivsten ist das sgnstacking“ – die Überlagerung von scharfen, unterschiedlich fokussierten Teilbildern und die daraus entstehende „scharfe“ Aufnahme mit einem fast unbegrenzten, scharf dargestellten Tiefenbereich. Grenzen dieser Methode sind aber die Perspektive und die Änderung des Abbildungsmaßstabes durch die veränderten Fokusebenen.

Eine ganz andere Möglichkeit stellt die Ausnutzung der in den Wellen des abbildenden Lichts enthaltenen Informationen über das Objekt und den Objektraum dar – wenn man diese verwenden könnte, um ein Objekt zweidimensional zu rekonstruieren, dann könnte man den Fokus, also den Bereich höchster Detailschärfe, nach Maßgabe der vorhandenen und nutzbaren Objektinformationen deutlich vergrößern bzw. verändern.

Dieser Gedanken wurde 2006 durch eine von Ren Ng an der Stanford (CA) Universität verfassten Dissertation mit neuem Leben versehen und nach einigen Jahren Entwicklungszeit in einer Reihe von kommerziellen Kameras des neu entstandenen Unternehmens „Lytro“ umgesetzt wurde.


Die ersten neuzeitlichen Lichtfeldkameras waren eher interessante elektronische Spielzeuge, die das Prinzip demonstrieren konnten aber keinerlei Anspruch auf einen Platz innerhalb des großen Feldes der ernsthafteren Fotografie in Anspruch nehmen konnten. Vor einiger Zeit hat aber Lytro eine deutlich verbesserte und ausgebaute Lichtfeldkamera, die sie „Illum“ nannten, auf den Markt gebracht – der Preis ist recht hoch, denn sie kostet etwa 1600 Euro – ist sie aber das Geld auch wert?

Ich konnte mir die Illum für einen Test von der Vertretung in Wien, United Camera (1070 Wien, Westbahnstrasse 23) ausborgen – mein Dank an den Geschäftsführer, Herrn Heyduck, für das freundliche Entgegenkommen sowie das aktive Interesse an diesem Test der Illum.

Wenn man die Illum erhält, bekommt man einen grossen schwarzen Block in die Hand – die Verpackung ist recht beeindruckend und innovativ – kein Schaumstoff und kein Styropor, alles Papier, Pappe und Karton. Man bekommt die Kamera sowie die bei digitalen Kameras üblichen Zusätze – Ladegerät, Akku, USB3 Kabel... alles ordentlich verpackt und sehr sauber gefertigt.

Als erstes beginnt das Laden des Akkus – das geht problemlos, vorausgesetzt, man drückt den Akku nicht zu gut in das Ladegerät hinein – dann sitzt er so fest, dass man ihn nur mit Mühe wieder herausbekommt. Ich habe festgestellt, dass der mechanische Anschlag für den Akku im Ladegerät nicht genau definiert ist – daher kann man den Akku weiter als notwendig hineinschieben. An der Ladekontrollleuchte ist es einfach zu sehen, wann der Akku Kontakt hat und lädt – so kann der Akku dann wieder mit normalem Kraftaufwand herausgenommen werden.

Die Kamera selbst macht einen sehr soliden Eindruck, kein „Plastikbomber“, alles solid, relativ schwer und recht groß. Vor allem das fix eingebaute Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 30-250mm bei konstanter Blende 1:2 ist recht groß und wuchtig.

Das Filtergewinde ist 72mm – nicht allzuhäufig verwendet, wenn man an Nikon oder Canon denkt – dort gibt es viel öfter 67mm und 77mm – wäre schön, wenn man ein Filtergewinde hätte, das sehr weit verbreitet ist. Das würde zusätzliche Kosten für Filter mit anderen Durchmessern ersparen – meistens verwendet man ja als Schutz ein wirklich gutes UV Sperrfilter oder für besondere Aufgaben ein Zirkularpolfilter.

Ein UV Sperrfilter generell zu verwenden erscheint mir als eine recht wichtige Empfehlung – das Objektiv erlaubt eine Scharfstellung von der Frontlinse weg und da kann man schon einmal aus Versehen mit einem härteren Objekt die Frontlinse ankratzen oder zumindest die Vergütung beschädigen.

Die Form der Kamera selbst ist sehr ungewöhnlich – nach vorne schräg geneigt mit einem angenehm großen Display und ein paar kleinen Drucktasten – rechts ein großer und massiver Handgriff, der die Kamera gut in der Hand liegen lässt.

Das Display ist in relativ geringem Maß auf/abwärts schwenkbar – der Mechanismus dazu erscheint mir recht stabil zu sein. Drehbar ist es nicht, es geht aber auch so.

Der Auslösetaster rechts vorne ist gut erreichbar, kann aber mit dem Taster für die Anzeige der Tiefenbereiche (blaue Taste dahinter) verwechselt werden.

Die kleinen Tasten an der Rückseite der Kamera sind sehr leichtgängig und daher habe ich relativ oft eine der Tasten gedrückt, wenn ich die Kamera etwas fester und stabiler in die Hand genommen habe.

 

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-03-04 15.41.42.png

 

Meistens war es die Autoexposure-lock Taste, das fiel aber schnell auf, denn das Display zeigte einen falschen Helligkeitseindruck. Diese vier Tasten sind etwas gewöhnungsbedürftig – sie lassen sich zu leicht drücken und sind zu wenig von der Umgebung abgehoben und zu knapp beisammen. Die AF Taste fokussiert genau auf die Bildmitte – eine Verschiebung des AF Feldes gibt es so nicht – wenn man einen anderen Punkt fokussieren will, so muss man auf der Touchscreen darauf tippen – das geht gut und relativ schnell. Die oo Taste stellt das Objektiv auf unendlich und die Fn Taste zeigt die Funktionenauswahl am Display an.

Die interessanteste Darstellung ist die mit dem Tiefenschärfenhistogramm – man kann das auch auf dieser Aufnahme sehen – die weiter weg befindlichen Details sind orange umrandet, die näher liegenden Details blau – und der gewählte Fokus kann irgendwohin gesetzt werden. Alles, was entweder blau oder orange umrandet ist (Detailumrandung am Display) ist fokussier – und auch refokussierbar.

Dies ist eine Aufnahme der Kamerarückseite in Aktion – man sieht die erwähnten farblichen Umrandungen eines Objekts – blau für näher als fokussiert und orange als weiter weg als gerade fokussiert. Man kann also diese Aufnahme von vorne bis hinten durchfokussieren lassen und auch so animiert abspeichern. Dazu zeigt das Display noch die eingestellte ISO, die Belichtungszeit, die Belichtungskorrektur, die Brennweite, der Programmmodus, die verfügbare Zahl der Aufnahmen und den Ladungszustand der Batterie.
Rechts ist das Tiefenhistogram erkennbar – der schwarze Mittelbalken zeigt die aktuelle Fokusebene an (die Reflexionen sind durch die Screenaufnahme mit dem Handy entstanden).

Fotografieren im Hochformat ist nicht wirklich ergonomisch angenehm gemacht – entweder, wenn man die Kamera gegen den Uhrzeigersinn dreht – hängt das Gewicht an der Hand und man muss mit den kleinen Tasten irgendwie zurecht kommen oder, wenn man die Kamera im Uhrzeigersinn dreht, so liegt das Gewicht zwar auf dem Handballen, aber man kann leicht eine der vier Tipptasten an der Rückseite drücken – keine ideale Lösung, finde ich. Hier hilft die optionale Handschlaufe ein wenig, die aber zur Standardausrüstung gehören und nicht noch zusätzlich 50 Euro kosten sollte.

Ich habe auch beobachtet, dass das Abschalten der Illum nach Aufnahmen ziemlich lange dauert – viele Sekunden wartet man, bis das rote Blinken erloschen ist. Ist man ungeduldig und drückt nochmals den Ausschaltknopf, so schaltet sie sich wieder ein und das Spiel beginnt von vorne.

Was aber richtig nervt, ist die enorm lange Überspieldauer von Aufnahmen von der Kamera auf einen Computer – egal ob Windows 7, 8 oder Mac OSX. Mein iMac ist mit dem aktuellen Betriebssystem OSX 10.10.2, 8GB RAM und 3 GHz Core Duo ausgestattet – nicht das neueste Modell, aber doch recht ordentlich und da dauerten 40 Aufnahmen eine ganze Stunde – ja, es ist kein Schreibfehler – 1 Stunde!

Auf meinem kleinen Lenovo Thinkpad mit Windows 7 dauerte es noch länger – 85 Minuten für 36 Aufnahmen. Ein Teil des Problems ist die Schreibe - Lesegeschwindigkeit der SD Karte – ich nehme meistens Karten mit 60MB/sec. Nimmt man die schnellsten, die es zur Zeit gibt, also 95MB/sec, so geht es etwas schneller – dann konnte ich 36 Aufnahmen in 50 Minuten auf den iMac überspielen.

Die Verarbeitung der Aufnahmen kann ausschließlich im Lytro Desktop Programm erfolgen, andere Programme können die Raw-Files der Illum zur Zeit noch nicht lesen. Dieses Desktop Programm hat einige Eigenheiten – in Windows und mit einem Mac gibt es Graphikkarten-Prozessor Kombinationen, mit denen das Programm nicht läuft. Dieser Fehler soll angeblich behoben werden – die neueste Version, die vor wenigen Tagen freigegeben wurde, läuft jedenfalls auf beiden Systemen ohne Probleme. Aber nach wie vor gilt der Hinweis, dass man auf die erwähnten Komponenten achten soll – es gäbe noch immer Probleme bei einigen Graphikkarten und Prozessoren.

Was kann dieses Desktopprogramm – es ist ein relativ einfaches Bildbearbeitungsprogramm, das aber die wesentlichen Komponenten beinhaltet und mit dem man eigentlich recht gut über die Runden kommen kann. Die Bedienung ist intuitiv und einfach und man kann gleich die Animation der Aufnahme ansehen. Und genau hier liegt eine der wichtigsten Beschränkungen des gesamten Systems – man muss, nicht kann, mit diesem Programm arbeiten – andere Programme können (noch nicht?) diese Files nicht verarbeiten. Der Grund liegt nicht einmal so sehr im proprietären Fileformat – der Grund ist, dass das „File“ bei der Rawkonvertierung in mehrere Files zerlegt wird. Es gibt Files, die verschiedene Tiefeneinstellungen zeigen und es gibt das entscheidend wichtige Tiefeninformationsfile (Tiefenkarte), das für die später mögliche Tiefenebenenauswahl und für die nachträgliche manuelle Korrektur von Tiefenrechenfehlern wichtig ist.

Hier zwei Screenshots, die in der linken Spalte die möglichen Bearbeitungsmöglichkeiten zeigen – alles, was wirklich wichtig ist, ist vorhanden.

Die Information über das File kann man auswählen und sieht dann die Aufnahmedaten – ein gutes Feature und sehr einfach zu bedienen – hier ein Beispiel dazu:

Eine durchaus interessante Option ist die Möglichkeit, nach dem Aufnehmen die Blende „auszuwählen“, mit der die Aufnahme dargestellt werden soll – der Bereich reicht von Blende 1 bis Blende 16. Es soll nicht vergessen werden – das Zoomobjektiv hat eine konstante Öffnung von 1:2 über den gesamten Bereich!

 

Bei Blende 1:1 ist der Bereich der Tiefenschärfe logischerweise sehr klein – hier gut sichtbar:

 

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-03-06 09.17.13.png

 

Man blendet also nachträglich ab – hier das gleiche Sujet bei Blende 1:8

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-03-06 09.17.32.png

 

Und hier bei Blende 1:16 – es sind keine zusätzlichen Beugungserscheinungen sichtbar, da die physische Blende ja nach wie vor 1:2 ist, die zusätzliche Tiefe des Schärfenbereichs wird ja aus den Strahlendaten (Winkel, Intensität, Richtung...) gerechnet – durchaus interessant!

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-03-06 09.17.45.png

 

Das bearbeitbare „Living Picture“ ist eine Option, mit der es möglich ist, Aufnahmen in einem Bildeditor zu retuschieren. Dabei werden 7 „stack.images“ , die Tiefenkarte und eine .lfp Raw-Informationsfile in einen neuen Bildordner abgespeichert. Man öffnet die 7 tif Files und kann dann jedes File entsprechend bearbeiten (z.B. eine Person oder ein Objekt entfernen). Dann werden alle 7 Files in gleichem Modus gespeichert und neu in das Lytro Desktop Programm importiert und die Änderungen sind berücksichtigt und durchgeführt.

Manchmal kommt es vor, dass ein Teil des Bildes komplett falsch aussieht – entweder scharf obwohl er unscharf sein sollte oder auch umgekehrt – mir ist das bei Nachtaufnahmen passiert – Teile des Himmels waren komplett verwaschen. Das ist ein Rechenfehler – die Tiefenkarte hat diesen Teil in eine andere Schärfenebene gelegt. Das kann man manuell korrigieren. Man öffnet die bearbeitbare Tiefenkarte (ein Graubild im png Format) in einem Bildeditor und weist mit einem geeigneten Werkzeug – im Photoshop mit dem Auswahl/Clonepinsel die gleiche „Graustufe“ diesem Bereich zu, wie die Umgebung hat oder wie er eben haben soll.

Im Folgenden ein Beispiel einer Tiefenkarte mit dem dazugehörenden Raumbild unterlegt – man sieht die Struktur der Tiefe als abgegrenzte Grauwerte.

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-03-06 09.20.23.png

 

 

Hier ein Beispiel einer Tiefenkarte allein – es stellt die räumliche, in Graustufen umgesetzte Aufteilung einer Reihe von Abdecksäcken für Rosen im Wiener Volksgarten dar.

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Pictures:LYTRO:DM:img00288:stack.depthmap.png

 

Und hier dazu eines der 7 geschachtelten Aufnahmen (stacked images) zur Orientierung

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Desktop:stack.image_00Rosen.jpg

 

Nun ein Beispiel zur Problematik der Tiefenrechnung: Ein Ausschnitt aus einer Nachaufnahme ist zu sehen – links oben ist ein Teil des Himmels eindeutig falsch dargestellt – wie mit einem sehr starken Weichzeichner geebnet.

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-02-24 13.41.27.png

Korrigiert man die Tiefenkarte, so wird der Himmel neu gerechnet und alles sieht normal aus

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-02-25 09.14.49.png

 

Die Exportmöglichkeiten des Lytro Desktop Programms sind entweder jpeg oder tif Files, wenn es um „normale“, auf eine vom User definierte Schärfenebene fokussierte Files geht, dann weiters die beiden bearbeitbaren Optionen, das Raw Bild selbst (wofür – man kann es ja ohnedies nicht woanders bearbeiten?), die beiden 3-D Optionen (das geht recht gut) bzw. animierte Files, die als mp4 abgespeichert werden und das XRaw Lichtfeld, das nicht nur das Rawfiles sondern auch die Kalibrationsdaten der Kamera enthält (etwa 100MB File...)

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-03-06 09.22.50.png

Hier noch eine Besonderheit – jeder Editor muss mit den Kalibrationsdaten derjenigen Illum Kamera gefüttert werden, mit der die zu bearbeitenden Aufnahmen aufgenommen wurden, sonst kann der Bildeditor u.U. keine korrekten Tiefendaten rechnen. Das deutet für mich darauf hin, dass jeder Kamera ihr „Eigenleben“ hat, also sowohl optisch als auch rechnerisch ein wenig von einer Norm abweicht. Erinnert mich an die Optimierung der Kombination von Objektiv und Body bei der Feineinstellung des AF bei gehobenen Systemkameras.

Das Rendern als mp4 dauert „ewig“ – auf meinem iMac, der sicher nicht der modernste und tollste, aber dennoch recht gut ausgestattet ist, dauert der Export eines solchen mp4 Files (10 Sekunden Vorführdauer) in bestmöglicher Qualität (1080p, H.264 ausgewogen in bester Renderqualität) etwa 1 Stunde – das ist einfach zu lang.

Da alle Aufnahmen intensive Rechenschritte durchmachen und vor allem das fertige 2-dimensionale Bild gerechnet wird, entstehen an kontrastreichen Kanten oft kleine Artefakte. Ich habe hier einen 200% Ausschnitt aus einem tif-Bild, das nachträglich im Photoshop CS6 geöffnet wurde – an den hell/dunkel Grenzen sind zig-zag Artefakte erkennbar.

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-03-06 09.35.04.png

 

Das Drucken der Aufnahmen geht, wie bereits erwähnt, nicht aus dem Lytro Editor – dazu muss man die fertigen Aufnahmen exportieren. Die Option tif erscheint mir besser geeignet dafür – das Files ist zwar auch nur relativ klein (10-13MB etwa) und es wird als 72dpi File bei ca 85x59cm Bildgröße in Photoshop importiert – dort kann man es dann einfach in ein entsprechendes Bildformat bei 300dpi umwandeln. Ich habe Drucke in den Größen A4, A5 und A6 ausprobiert – A6 geht wirklich fein, A5 geht noch recht gut, A4 – nicht sehr empfehlenswert, zwar noch anschaubar, aber die Qualität entspricht einem Druck einer alten 3-4Mpx Kamera aus den 90er Jahren.

Hier zwei der gedruckten Aufnahmen zur Illustration – solange man keine allzu feinen Details darstellen möchte, sind die Drucke gut verwendbar, bei manchen Objekten sogar bis DIN A4, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. A5 ist noch in Ordnung – außer man hat viele Details, Landschaften oder so ähnlich Sujets..

 

Silberdose1MB

Silberdose (horizontal 1400 Px)

 

Figurenteller1MB

Silberfigur mit Glasteller (vertikal 1400 Px)

 

 

Das originale File der Silberdose ist HIER als Download verfügbar (ca 8.4 MB)

Das originale File der Silberfigur mit Teller ist HIER als Download verfügbar (ca 8.9 MB)

 

 

Kleine Objekte kann man gut verwenden und damit die Stärken des Systems zeigen – durch die Fähigkeit der Optik, von der Frontlinse weg scharfstellen zu können, kann man die Tiefenausdehnung solcher Objekte gut zeigen und nutzen. Eine sehr alte Elfenbeinfigurine diente als gutes Demonstrationsobjekt – als mp4 Filmchen fokussiert man von den Augen der Frau ausgehend durch das Objekt bis man am Ende auf die Augen des Mannes scharfstellt

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Desktop:Testbild00322.jpg

Bei Portraits werden aus pixelgenauen Wiedergaben, wie man sie mit konventionellen digitalen Kameras erhält und dann oft in einem Portraitmodus „entschärft“, zu visuellen Impressionen – denn die Schärfe für die Wiedergabe der Details ist nicht vorhanden.

Dafür kann man aber durch die Manipulation des Schärfenbereichs durchaus attraktive Ergebnisse erhalten – im folgenden eine einzige Aufnahme mit drei Einstellungen der synthetischen Blende – zuerst auf 1,0 - dann auf 4,0 und zuletzt auf 16,0

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Desktop:Nana1WEB.jpg

 

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Desktop:Nana4WEB.jpg

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Desktop:Nana16WEB.jpg

 

Eine andere Möglichkeit der Desktopsoftware ist die Darstellung und/oder Ausgabe einer Illum Aufnahme als red-cyan 3D Bild – ich habe die gleiche Aufnahme genommen und hier ist die Anaglyphen Ausgabe (zur Steigerung des relativem 3D Eindruckes habe ich diese Darstellung grösser als andere gelassen)

 

Diese 3D Wiedergabe funktioniert recht gut, das Motiv sollte allerdings auf diese Ausgabe hin getrimmt sein – hier ein weiteres Beispiel, an dem man diese Ausgabeart recht gut beurteilen kann – im Cafe Central in Wien, einmal eine „normale“ Aufnahme mit dem iPhone und dann die 3D Ausgabe einer mit der Illum gemachten Aufnahme. Zuletzt dann die normale 2D Wiedergabe der gleichen Aufnahme mit der Illum

 

 

 

Bei Aussen- bzw. Landschaftsaufnahmen ist bald die Grenze der Auflösungsqualität des aktuellen Kamerasystems erreicht – hier sind Druckformate größer als A5 nicht empfehlenswert und auch da hängt es sehr davon ab, was man aufnimmt ob die Bildqualität annehmbar gut oder doch eher recht bescheiden erscheint.

Die folgende Aufnahme der Einkaufsgalerie des Palais Ferstel in Wien zeigt diese Grenzen deutlich auf – der Dynamikbereich ist eher bescheiden, die feinen Strukturen der Verzierungen sind entweder nicht voll aufgelöst oder von Artefakten durchsetzt – drucken dieser Aufnahme geht bis zu einer Grösse von A5, bei A4 sieht man die Schwachstellen ganz deutlich.

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Desktop:Testbild00295WEB.jpg


Dagegen aber wäre eine andere Außenaufnahme durchaus ansehbar- bis auf ein interessantes Detail – die feinen Zweige im Vordergrund haben gut sichtbare Unterbrechungen, in keiner möglichen Einstellebene sind diese fehlenden Teile vorhanden – einfach nicht abgebildet...komisch.

Die Tiefenkarte zeigt die Ursache – die Zweige existieren nicht – weder im Bild noch in der Tiefenkarte. Zuerst eine Überlagerung von Bild (50% Transparenz) mit der Tiefenkarte – man kann deutlich im unteren Bildbereich die fehlenden Zweige erkennen.

 

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-03-06 15.51.27.png

Die Tiefenkarte allein zeigt es deutlich – keine Tiefe zugeordnet, da kein Inhalt registriert wurde

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Dropbox:Screenshots:Screenshot 2015-03-06 15.51.52.png

 

Die Aufnahme selbst kann durchfokussiert werden, ist durchaus interessant in der Tiefenwirkung – aber die fehlenden Teile der Zweige sind entweder durch den Hintergrund oder durch andere gerechnete Artefakte ersetzt worden – hier die fokussierte und auf 1:16 „abgeblendete“ Aufnahme mit den markierten Rechenfehlern der Aufnahme:

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Desktop:Testbild00270A.jpg

 

Eine Animation der gleichen einen Aufnahme zeigt dieses Problem auch, nur geht es durch die Bewegung der Abbildung und das Zoomen unter – es fällt kaum auf – das ist eine Möglichkeit, solche Unregelmäßigkeiten zu kaschieren, die natürlich bei einem statischen 2-dimensionalen Druck sofort gut sichtbar sind.

 

Aus Freude am Vergleich habe ich noch drei zusätzliche Aufnahmen gemacht – eine antike Uhr, die sowohl ein recht dynamisch anspruchsvolles Sujet wegen der vielen Lichthighlights, als auch eine Vielzahl kleiner und kleinster Details bietet. Ich verwendete eine Kodak 2Mpx Kamera aus dem Jahr 1997 (links – leider war der automatische Blitz nicht abschaltbar), eine Kodak 4Mpx Kamera aus 2003 (Mitte) und eine Nikon D2xs mit 12Mpx (rechts) – hier die Aufnahmen, die etwa den gleichen Bildausschnitt zeigen

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Pictures:LYTRO:ILLUM_Vergleiche:2_4_12Mpx_UhrVergleichWEB.jpg

 

Im Vergleich dazu die Darstellung mit der Lytro Illum – die Unterschiede sind sichtbar. Natürlich ist dieses Objekt nicht ein Maßstab für die generelle Bildqualität, es zeigt aber deutlich, wie begrenzt sowohl der dynamische Bereich als auch die reine Auflösung der Illum ist

Beschreibung: Macintosh HD:Users:gnnyman:Pictures:LYTRO:ILLUM_Vergleiche:UhrIllum00077WEB.jpg

 

 

Nun zum Zubehör dieses Systems – es gibt nicht viel, was von Interesse sein könnte - eine Tasche, einen Kameragurt, eine Reservebatterie (proprietäres Format) und einen Blitz. Dieser Blitz ist eine Modifikation eines Viltrox JY680 Blitzes – der Unterschied liegt in der Ansteuerung und daher hat der Blitz den Endcode „L“ für Lytro (JY680L). Warum allerdings diese Variante um so viel teurer ist als die üblichen für Canon oder Nikon, das ist mir nicht verständlich – 250 Euro für einen durchschnittlichen Blitz ausgeben, das ist einfach nicht erfreulich, wo doch der genau „gleiche“ für Nikon oder Canon nur etwa 120 Euro und wiederum der gleiche nur mit Mittenkontakt etwa 70 Euro kostet... Marketing und geringe Stückzahlen werden der Grund sein.

Zum guten Schluss noch eine Fragestellung, die ich mir immer wieder selbst gestellt habe – würde ich mir so eine Lytro Illum kaufen? Nicht um 1600 Euro, das ist mir einfach zu viel Geld für das, was sie zur Zeit kann – sie ist interessant und man kann damit sicher einige Nischen bei Präsentationen gut abdecken, aber für die generelle Fotografie muss sich die reine Bildauflösung auf ein Niveau anheben, das in der üblichen Digitalfotografie heute Stand der Technik ist – also irgendwo zwischen 15 und 20 Mpx Bildauflösung – etwa 4x so hoch wie heute. Ich würde so sagen, bei 8-10 Mpx könnte man beginnen, die Kamera für bestimmte Einsätze zu verwenden, bei etwa 15Mpx Bildauflösung (Äquivalentauflösung zu einer 15 Megapixel DSLR) beginnt die Technologie wirklich attraktiv zu sein.

Aber, und das sage ich ganz offen – es hat mir großen Spaß bereitet, mit der Illum zu experimentieren und zu fotografieren! Sie ist in der Öffentlichkeit ein Hingucker (was mir egal ist), aber sie fordert einen heraus, nachzudenken – wie könnte ich das oder jenes so aufnehmen, dass ich die eindrucksvolle Tiefenwirkung zeigen kann, wie könnte ich etwas zeigen, was auf normalen Aufnahmen kaum oder nicht funktioniert – es ist Spaß, der aber Zeit kostet – nichts geht wirklich schnell und nichts ist wirklich ganz einfach. Für einen Technikfreund wie mich war es aber eine Freude, diese Kamera zu testen.

Es zahlt sich sicher aus, zu warten und zu hoffen, dass die nächste Generation von Lytro Kameras einen ebenso großen und beeindruckenden Qualitätssprung macht, wie es derjenige war, der von einem Spielzeug zu einer Illum geführt hat.

Vielleicht in 2-3 Jahren? Wir werden sehen und ich werde berichten...!

 

Über den aktuellen Stand von Lytro und der Illum berichtet die Webseite von Lytro: www.lytro.com

 

Ergänzung November 2017:

1. Die Lytro Illum wurde vor einiger Zeit von der Herstellerfirma eingestellt, da diese sich entschlossen haben, sich nur mehr auf den Bereich Video im Professional Segment zu konzentrieren.

2. Die Lytro Illum gibt es im Abverkauf neu um Preise zwischen 400 und 500 Euro zu haben - also durchaus interessant für diejenigen, die sich für diese Technologie interessieren

3. Die Lytro Illum Website für Fotografen wird am 30. November 2017 offline gehen und danach kann man keine Aufnahmen mehr online stellen. Alle Programme, die offline auf einem Computer sind, werden weiterhin funktionieren, aber es wird keinen Support mehr geben.

Schade, ich denke, diese Technologie ist sehr attraktiv und für ausgewählte Bereiche von großem Interesse...aber die kommerziellen Überlegungen des Unternehmens gingen in eine andere Richtung.

 

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