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Nikon D3x - Canon 1DsMkIII - SonyAlpha900

Die Pixelolympiade im Kleinbild

 

Canon-EOS-1Ds-MarkIII.jpgD3X-24-70.jpgalpha900+HG.jpg

 

 

Alle drei Kameras zur gleichen Zeit am gleichen Ort und dann vergleichen, welche der drei Pixelolympioniken welche Aufnahmen macht, ist eine ziemlich interessante Herausforderung und im Rückblick kann ich sagen, es war etwas hektisch, aber sehr interessant für mich. Natürlich hätte ich die drei Kameras noch eine längere Weile gerne gehabt, vor allem, weil das Wetter so schlecht war, dass man nur ganz wenige Aussenaufnahmen machen konnte, aber so ist es eben - nichts ist perfekt, weder das Wetter und schon gar nicht mein Bericht über meine Erfahrungen. Wie immer, ich bin nicht an der Schnelligkeit von Kameras interessiert, es ist mir auch sehr uninteressant, ob eine Kamera "filmen" kann oder nicht - ich verwende auch eine digitale Spiegelreflexkamera als Photoapparat im klassischen Sinn - das bedeutet für mich, alle Aufnahmen mit Stativ, mit Ruhe und ohne Hetze, bei digitalem Sensor alle Aufnahmen im Raw Format und mit einer möglichst neutralen Farboptimierung und in Adobe RGB (wegen des grösseren Farbraums), nicht in sRGB. Die Empfindlichkeit, die ich auf den Kameras eingestellt habe, war ISO 100 - die Belichtung fast immer manuell oder mit Blendenvorwahl.

Was kann eine Canon 1DsMkIII besser als eine Nikon D3x oder eine Sony Alpha900 - und umgekehrt? Alles sind Kameras der obersten Leistungsklasse - die Sony vielleicht als ein Preisaussenseiter, da sie weniger als die Hälfte einer der beiden anderen Kameras kostet, aber Canon und Nikon sind nach wie vor preislich sehr nahe beisammen, wobei die Nikon mit einem augenblicklichen Gehäusepreis von etwa 7000 Euro die teuerste der drei Kameras ist. Ist also die Nikon auch die beste der drei? Wenn ja, worin ? Oder ist die Sony nicht genauso gut, und das um etwa 40% des Preises der Nikon?

Ich habe mich auf folgende Gebiete in meinen Vergleichen konzentriert - die Bedienung und das Handling, die Auflösung von Details, die Kontrastwiedergabe, das Rauschen bei unterschiedlichen Empfindlichkeitseinstellungen, die Farbwiedergabe, der Belichtungsspielraum und der Gesamteindruck einer Aufnahme. Letzterer ist besonders interessant für mich gewesen, weil ich für alle drei Kameras das vergleichbare Objektiv bekommen hatte - immer die Brennweite 24-70mm, alle drei Objektive waren die Spitzenklasse, also alle hatten eine "konstante" Öffnung von 1:2,8 und die bestmögliche Korrekturqualität.

Für diejenigen der Leser, die gleich ein Zwischenergebnis lesen möchten - hier ein wenig von dem, was ich hoffe, dann mit Bildern und Testergebnissen auch zeigen zu können - die positive Überraschung für mich war die Sony Alpha 900 (solange man bei niedrigen Empfindlichkeiten bleibt). Das 24-70/2,8 von Zeiss ist ein sehr schönes Objektiv, die Kamera selbst hat einige attraktive Eigenschaften, von denen mich vorallem der erweiterbare Dynamikumfang ziemlich beeindruckt hat. Etwas (wieder oder besser, nach wie vor) enttäuschend sind die optische Qualität des 24-70/2,8L von Canon - so viel Farbquerfehler in den Randbereichen, das ist einfach nicht akzeptabel, meine ich. Und Nikon - nun, die Optik ist einfach Spitze (im Vergleich zu den anderen beiden Objektiven), aber auch nicht perfekt - oder was ist schon perfekt, um es nochmals zu sagen. Bei der Nikon hat mich das Rauschverhalten bei höchsten Empfindlichkeiten etwas enttäuscht, aber gut, wer 24MPx als 24x36mm Sensor verwenden will, der sucht keine hohen Empfindlichkeiten - dafür ist dann die D3 eine valable Alternative.

Die Bedienung und das Handling

Die Bedienung ist sicher eine Ansichtsache - es gibt überzeugte Canonier und genauso auch Nikonians und sicher auch Sonyianer - mit allen drei Kameras konnte ich nach kürzester Zeit gut arbeiten. Für mich erschien die Canon etwas klobig und nicht so sicher im Griff wie die Nikon und die Sony war ein Leichtgewicht im Vergleich (sie ist auch etwa 500g leichter als die beiden anderen Kameras). Mit vergleichbaren Objektiven bestückt, brachten die Nikon und die Canon etwa 2500g auf die Waage und die Sony 2000g - nicht gerade wenig, aber wer professionell arbeitet, für den sollte das kein Problem sein. Meine Mamiya RZ 67 ProII wiegt deutlich mehr, nicht zu reden von meiner Linhof oder gar der Plaubel Profia - alles im grosse Foto-Rucksack verstauen, das spart schmerzende Achseln und Kreuzweh. Die Sony Alpha 900 ist sehr intuitiv in der Bedienung - sehr stark auf wenig erfahrene Personen ausgerichtet - man kann da fast nichts falsch machen und zu wirklich guten Aufnahmen kommen. Dafür ist das Menu etwas mager und nicht sehr professionell, denke ich - einige der von Canon und Nikon gewohnten Einstellungen sind nicht vorhanden, die kann man nur dann im SW Menu nachträglich finden (die SW ist sehr wenig professionell, sehr stark auf Amateure ausgerichtet).
Die Displays aller drei Kameras sind gross, informativ und gut überschaubar gemacht. Die Einstellungen an der Sony sind sehr einfach und erfordern kein Nachdenken - hier sieht man, so denke ich, die Ausrichtung dieser Kamera auf den High-End Amatuermarkt und nicht auf den Profi-Markt. Das finde ich eher schade, denn die Kamera kann einiges und was sie kann, das kann sie gut.
Die Nikon, nun ja, ich kenne die Nikon Menuführung ziemlich auswendig, sie ist konsequent und logisch, etwas anspruchsvoller im Vergleich zur Sony, aber das ist klar - man kann fast alles und jedes einstellen und das in weiten Bereichen. Ihr Trumpf ist die Optik, die ist deutlich sichtbar besser als die von Canon oder auch Sony (Zeiss).
Die Canon - also die Menuführung ist logisch komplett anders konzipiert, aber ich konnte mich nach einiger Zeit auch darin zurechtfinden. Meine anfänglichen Vorurteile wurden bald abgebaut, ich fand, wonach ich suchte. Sie ist gut, wirklich gut, die Canon, keine Frage - die Schwachpunkte sind die Optik, aber davon später mehr.

Canon und Nikon offerieren eine umfangreiche Software für die Bearbeitung der Raw-Files, man kann praktisch alles ändern und anpassen - also ein eindeutiges Plus gegen Sony, die zwar auch eine SW für die Bearbeitung von Raw-Files bieten, die aber weder so umfangreich noch so intuitiv logisch ist wie die von Canon oder Nikon. Hier, bei Sony, wird der engagierte Amateur angesprochen, der sich nicht wirklich gut in den Tiefen von Raw und File Konversion auskennt oder auskennen will, es muss einfach und schnell gehen und einfach zu guten Ergebnissen führen. Wirklich gute Ergebnisse sind möglich, aber dazu bedarf es doch einiger geistiger Akrobatik und Suche nach Einstellungen - aber es geht viel auch bei Sony.

Der Sucher

Die drei Kameras haben alle einen "etwa 100%" Suchereinblick zu bieten, was für die Bildkomposition meiner Meinung nach ein echter Vorteil gegenüber den einfacher konzipierten (billigeren) 95% Suchereinblicken ist. Wenn man den Bildblickwinkel vergleicht (der Winkel unter dem im Sucher das Bild für den Betrachter erscheint), so ist Canon eindeutig vorne - der Sucher weist den besten Blickwinkel auf, er ist gross und das Bild ist sehr deutlich. Sony und Nikon sind fein, OK und gut, aber Canon ist da etwas besser. Was mich bei der Canon aber sehr gestört hat, ist die Tatsache, dass der Suchereinblick und das aktuell aufgenommene Bild nicht ganz übereinstimmen - die Aufnahme ist gegenüber dem Sucher leicht schräg gelegen - sehr wenig, etwa ein halbes Winkelgrad, aber mich stört es. Wenn ich ein Objekt präzise im Sucher ausrichte, dann will ich das Bild auch genau so präzise aufnehmen können....das darf nicht passieren, meine ich! Bei Nikon und der Sony sind die Ausrichtungen bis auf etwa 0,1Winkelgrad in Ordnung, mehr kann man kaum verlangen.

Der Sensor

Sony und Nikon sollen den gleichen Sensor eingebaut haben, Canon hat einen Sensor, der etwas weniger Pixel hat. Das klingt ohne weiteres Nachdenken wie ein Nachteil, wenn man sich aber die Mathematik ansieht, so ist das ziemlich egal, ob der Sensor nun 21,7 oder 24 Megapixel hat - der Unterschied in der theoretischen Auflösung ist minimal und praktisch von keinem Interesse. Es ist ja, wie ich bereits bei meinem Bericht über die Nikon D3x geschrieben hatte, nicht so, dass ein Sensor mit 24 MPx im Vergleich zu einem Sensor mit 12 MPx die doppelt so gute Auflösung hat - der Gewinn ist etwa ein Faktor 1,4. Also ist der Unterschied zwischen 21,1 und 24,5 MPx sehr gering - einige Prozente, das ist alles. Darüber hinaus kommt es nicht nur darauf an, wieviele Megapixel eine Kamera hat, sondern wie die Information aus dem Sensor herausgeholt und das Bild verarbeitet wird. Hier sind alle drei Kameras sehr gut, beieindruckend gut - bis auf die Vignettierung bei Weitwinkelobjektiven. Das ist ein schwieriges Gebiet - Weitwinkelobjektive haben meistens einen ziemlich steilen Lichteinfallswinkel auf den Sensor hin, haben in sich bereits eine deutliche, konstruktionsbedingte Vignettierung und da kommt es dann auf die Konstruktion der Elemente, die knapp vor dem Sensor liegen, der Mikrolinsen, an, wie stark die Vignettierung durchkommt. Hier ist Nikon eindeutig Spitze und beide, Canon und Sony nicht beeindruckend. Bei dem 24-70mm Zoom sind da Lichtverluste von bis zu 2 Blendenstufen von der Mitte zum Rand hin bei offener Blende 2,8 vorhanden, das ist nicht sehr fein -Nikon ist da eindeutig besser, obwohl mir der Lichtabfall bei Nikon (ohne Vignettierungskompensation) auch nicht gerade einen Freudentanz entlockt. Mehr dann im Bildteil.

Die Bildspeicherung

Nikon hat zwei CF Speicherplätze, eine sehr attraktive Lösung, so wie bei der D3. Die Canon hat einen CF Platz und einen Platz für eine SD Karte - das wahrscheinlich aus Gründen, die wohl nur die Insider bei Canon wirklich erklären können. Und Sony - auch einen CF Platz und dann noch den obligatorischen Sony Memorystick Platz - der musste wohl rein, weil es eine Sony ist, denke ich. Beide, Canon und Nikon können die Bilddaten entweder sequentiell auf die Karten schreiben oder auch eine der Karten als backup verwenden - beide Lösungen sinnvoll, vorallem die des backups bei kritischen Aufnahmen, die man kaum oder nicht wiederholen kann. Die Schnelligkeit der Bildspeicherung ist für mich von keinem Interesse, ich verwende nur schnelle Karten und bei keiner der Kameras ist mir aufgefallen, dass das Speichern einer Aufnahme besonders lange braucht.

Die Auflösung von feinsten Bilddetails

Hier sollten sich eigentlich die Kameras unterscheiden - es sollte doch ein signifikanter Unterschied zwischen den drei Kameras vorhanden sein - aber, nein, solange man unter ISO 400 bleibt, sind die Unterschiede sehr gering, wirklich sehr gering. Was ich aber gesehen habe ist, dass Sony offenbar eine ziemlich andere Bildverarbeitung der Rohdaten im Vergleich zu Nikon macht. So etwa sieht es aus, als ob eine Rauschverringerung auch bei ausgeschalteter Funktion in den Rawdaten vorhanden ist, da die entsprechenden Files einfach zu glatt wirken - wie gebügelt. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, aber es sollte doch auch eine Möglichkeit geben, jede Art von Rauschverminderung bei Bedarf abzuschalten, wenn man Raw aufnimmt - meine ich. In dem visuellen Vergleich bei ISO 100 kommt daher die Sony sehr gut weg, fast besser als die Mitbewerber, die durchwegs "ehrliche" Daten haben und verarbeiten. Die Details sind bei Nikon und Canon sehr gut sichtbar, auch feinste Stukturen, nur leidet der gesamte Detaileindruck bei Canon durch die auch beim angeblich hochkorrigierten 24-70mm/2,8 LObjektiv deutlich sichtbare chromatische Queraberration, die vorallem in den Bereichen ausserhalb etwa 2/3 des Bildkreises störend wirkt.
Auch bei der Sony, die mit dem Zeiss 24-70mm/2,8 Objektiv ausgerüstet war, kann man diese chromatische Aberration gut sehen, nur ist die Korrektur anders - bei Zeiss sind die Farben etwas anders und etwas geringer als bei Canon. Nur bei Nikon gibt es das nicht, dafür ist das gesamte Bild ein Spur unschärfer, aber ohne Farbfehler - es möge der Leser selbst entscheiden, was weniger stört oder weniger unangenehm ist, ich jedenfalls denke mir, etwas nachschärfen ist einfacher als Farbränder wegzunehmen, was ja mit geeigneten Programmen (DXo) auch gut geht. Nur hätte ich mir von Canon einfach ein besseres Objektiv erwartet, es ist ja nicht gerade billig, das 24-70/2,8!

Im Folgenden drei Ausschnitte aus einer Aufnahme des Schlosses von Weiten in Niederösterreich - es war ein grauer, trüber Tag, kaum Farben, keine Sonne und kein Wind. Der Aussschnitt ist in der Gesamtaufnahme durch eine Pfeil gekennzeichnet.

WeitenGesamt

Und nun die Details, von Raw-Files der drei Kameras entnommen.

Ganz links Canon, Mitte Sony, rechts Nikon:

1DsMkIIIDet1.jpg Alpha900Det1.jpg D3xDet1.jpg

Die Nikon D3x ergibt das relativ weichste Bild, das man aber nachschärfen kann (ich hatte die Kamera so eingestellt, dass bei einer Auswertung mit dem Imatest Programm eine korrekte Schärfung bestätigt wurde, was im allgemeinen ein etwas weiches Bild bedeutet), aber dafür gibt es mit dem 24-70/2,8 Objektiv keinen bemerkbaren Farbquerfehler - der Grund dafür liegt in einer etwas verborgenen automatischen Eliminierung des Farbquerfehlers durch das Rawfile Konversionsprogramm Capture NX2 (ich bin erst viel später nach einem Hinweis eines Schweizer Zeiss Testers darauf gekommen!). Wenn diese Funktion abgeschaltet wird (die schaltet sich aber nach jedem einzelnen File wieder automatisch ein), dann sieht die D3x mit dem 24-70mm Objektiv nicht mehr so solitär aus

Hier als die D3x mit 24-70 ohne der automatischen FQF Eliminierung

Also doch ein Farbquerfehler, der sichtbar ist...

Wie sieht die Abbildungsqualität nun wirklich aus, wenn man den Farbquerfehler eliminiert - bei Canon geht das manuell im Canon Rawconverter, bei Nikon, wie bereits erwähnt, automatisch im Capture NX2 und bei Sony - ich habe da keine Möglichkeit gefunden, im Sony Rawconverter den Farbquerfehler zu entfernen, sondern habe für diesen Zweck Adobe Lightroom 2.3 verwendet. Hier also die Resultate - einmal die Ausschnitte bei Blende 8 und dann noch bei Blende 2,8 - zur besseren Sichtbarkeit habe ich die Screenshots gross gelassen!

1DsMkIIICAkorrWeiten.jpg

Canon 1DsMkIII - links Blende 2,8, rechts Blende 8 - beide Crops nicht überzeugend in der Bildqualität!

 

Alpha900CAkorrWeiten.jpg

Alpha 900, links wieder Blende 8, rechts Blende 2,8 (sehr weich!)

 

D3xCAkorrWeiten.jpg

D3x, wieder links Blende 8 und rechts Blende 2,8 - ziemlich überzeugende Bildqualität!

 

Der zweite Ausschnitte stammt aus der Mitte des Bildes - hier fällt ein eventueller Farbquerfehler nicht mehr ins Gewicht und nur die Schärfe und die Auflösung sind von Bedeutung.

 

Wiederum ganz links Canon, Mitte Sony und rechts Nikon:

1DsMkIIIMitte.jpg Alpha900Mitte.jpg D3xMitte.jpg

Aus Interesse am direkten Vergleich mit Film habe ich noch mit dem gleichen 24-70/2,8 Objektiv von Nikon mit meiner "Film"Nikon eine Vergleichsaufnahme gemacht - der gleiche Ausschnitte auf Ektar 100, dem wohl feinstkörnigsten Farbfilm zur Zeit sieht so aus:

Ektar100Mitte.jpg

Für einen Kleinbildfilm sicher recht beachtlich, aber bei den 24Mpx DSLR Kameras, da kommt Kleinbildfilm nicht mehr mit - das bleibt wohl bis auf weiteres dem Mittelformat und Grossformat vorbehalten (wie lange noch?)

Ein weiteres Objekt, das sich sehr gut für einen Vergleich von Abbildungsqualität eignet, ist der Innenraum der Kirche von Mariahilf in Wien. Ich verwende dieses Motiv seit langer Zeit und es bietet eine Vielzahl von Details, die einen interessanten Aufschluss nicht nur über die Abbildungsqualität, sondern auch über weitere Aspekte von Aufnahmen geben.

Hier die Gesamtaufnahme des Innenraums mit einer Brennweite von 24mm - perspektivisch entzerrt in Photoshop CS3

Mahikirche1dsMkIII8420web.jpg

 

In der Mitte befindet sich das Altabild, die Darstellung, die diese Kirche im Mittelalter schon zur Wallfahrtskirche machte - hier die Detailausschnitte aus den 24mm Aufnahmen - vom Raw Format direkt konvertiert und ausgeschnitten -ganz links die Canon 1DsMkIII, in der Mitte die Sony Alpha 900 und rechts die Nikon D3x

Mahikirche2DsMkIII8420Dets1.jpg MahikircheAlpha0148Det1.jpg MahikircheD3x3737Det1.jpg

links die Canon 1DsMkIII, in der Mitte die Sony Alpha 900 und rechts die Nikon D3x

Auf den ersten Blick erscheint die Sony Alpha 900 eindeutig als die Kamera, die die schärfsten Bilder macht und die beste Detailwiedergabe hat (alle Aufnahmen bei ISO 100 und Blende 5,6 aufgenommen). Wenn man diese Originalcrops von Canon und Nikon etwas nachschärft - vorsichtig und wenig und in deren "Original"konversionsprogramm, dann sieht der Vergleich so aus (wieder links Canon, Mitte Sony und rechts Nikon)

Mahikirche2DsMkIII8420Dets1.jpgMahikircheAlpha0148Det1.jpgMahikircheD3x3737Det1s1.jpg

links die Canon 1DsMkIII, in der Mitte die Sony Alpha 900 und rechts die Nikon D3x

Auch nach dieser Operation bleibt die Sony die schärfste Kamera mit einer erstaunlich feinen Detailwiedergabe, gefolgt von der Nikon und die Canon macht den Schluss - auch nach dem Schärfen kein besonders beeindruckendes Resultat. Man muss allerdings beachten, dass diese Details wirklich extrem klein sind und hier die Grenzen eines 20+ MPx Sensors erreicht werden - wie würde wohl so eine Aufnahme mit einer digitalen Hasselblad (mit einem 50 oder 65Mpx Sensor aussehen?). Ich bin der Aufnahme mit der Sony auf den Grund gegangen und habe sie mir sehr genau angesehen - die Raw Datei ist bereits geschärft und "optimiert" und auch entrauscht. Man kann das in einem der Programme, die mitgeliefert werden, händisch wieder zurückstellen oder verändern und wenn man dann den gleichen Ausschnitt nimmt und manuell optimiert, dann sieht das so aus:

SonyDet0142modweb.jpg

Sony Alpha 900 optimiert

Das Ergebnis ist wirklich beeindruckend - bitte nicht vergessen, Empfindlichtseinstellung ISO 100 - das wird etwas später noch klarer, warum ich das so betone, weil so gut wie die Sony bei niedrigen Empfindlichkeiten ist, so enttäuschend wird sie nach meiner Meinung dann bei hohen Empfindlichkeiten.

Aus Kuriosität habe ich auch diese Aufnahme noch mit dem Nikon Objektiv auf Ektar 100 Film aufgenommen - gleiche Brennweite, gleiche Blende, ISO 100. Also, das Ergebnis ist sehenswert - nicht dass es einer der drei Kameras nahekommt, aber für einen Kleinbildfilm doch recht respektabel - hier ist der gleiche Ausschnitt auf Ektar 100:

Ektar100MahiDetail.jpgScan8000SilverfastEktar100.jpgScan8000VuescanEktar100.jpg

Ektar 100 - Links mit NikonED8000 und Nikon Scansoftware, Mitte ED8000 mit Silverfast AI und Rechts ED8000 mit Vuescan gescannt

Ich habe das Stichwort gegeben - Empfindlichkeitseinstellung. Alle Kameras lassen sich auf ISO 100 einstellen, es geht auch noch darunter - die Nikon nennt es eine Stufe darunter, die Canon kann ISO 50 auch als eine Stufe darunter und die Sony, die kann ISO 100 als eine Stufe unter "normal" - bei der sind ISO 200 der niedrigste normale Wert. An der Obergrenze gibt es Unterschiede - die Nikon geht bis auf ISO 1600 in Stufen und dann mit ein- bzw. zwei Stufen darüber bis ISO 6400, die Canon geht ebenfalls auf ISO 1600 und hat eine Stufe darüber als Option, also ISO 3200 als Maximum wohingegen die Sony bis ISO 3200 geht und dann erst eine Stufe darüber, also ISO 6400, als Maximum hat. Ich denke, dass, wenn ich meine Bildergebnisse ansehe, die "Über"werte zwar verwendet werden könnten, aber nicht wirklich gut brauchbar sind - Ausnahme ist für mich die Sony, die ich schon oberhalb ISO 800 als wenig brauchbar bezeichnen möchte.

Nun die visuellen Ergebnisse im Vergleich. Wie immer diente mir der Blick aus meinem Küchenfenster auf das Apollokino als geeignetes Objekt - es enthält sehr helle Details, sehr dunkle Bereiche und viele Feinheiten - und ich kann in Ruhe photographieren. Vorerst zur Orientierung die Gesamtaufnahme, aufgenommen mit der Canon bei 35mm Brennweite

1DsMkIIINaGrap0002web.jpg

 

Was mich interessiert ist nicht nur der Gesamteindruck, sondern vorallem - hier soll ja das Verhalten der Kameras bei verschiedenen Empfindlichkeitseinstellungen angesehen werden, der fast dunkle Bereich etwa in der Mitte des Bildes, oberhalb der Verkehrsampel. Die folgenden Ausschnitte sind 100% Crops bei den verschiedenen Empfindlichkeiten - ohne weitere Bearbeitung in Photoshop

Vorerst die Canon Reihe - ISO 100 bis ISO 3200

1DsMkIIINaGrap100web.jpg1DsMkIIINaGrap200web.jpg1DsMkIIINaGrap400web.jpg

ISO 100 - ISO 200 - ISO 400

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ISO 800 - ISO 1600 - ISO 3200

Nun die Sony - ISO 100 bis ISO 6400 - mit ausgeschalteter Rauschunterdrückung, damit der Vergleich korrekt ist...

SonyISO100web.jpg SonyISO200ausweb.jpg SonyISO400ausweb.jpg

ISO 100 - ISO 200 - ISO 400

SonyISO800ausweb.jpg SonyISO1600ausweb.jpg SonyISO3200ausweb.jpg

ISO 800 - ISO 1600 - ISO 3200

SonyISO6400ausweb.jpg SonyISO6400web.jpg

ISO 6400 - ISO 6400 mit Rauschunterdrückung (unverwendbar)

Die Sony zeigt ein so starkes Rauschen, vorallem auch Farbrauschen, dass eine Verwendung von Empfindlichkeiten über ISO 800 nicht empfehlenswert ist und die Einstellungen ISO 3200 und 6400 sind wohl nur mehr als Dekoration da.

Als letztes noch die Nikon D3x bei den verschiedenen ISO Einstellungen

_D3XISO100web.jpg_D3XISO200web.jpg_D3XISO400web.jpg

ISO 100 - ISO 200 - ISO 400

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ISO 800 - ISO 1600 - ISO 3200

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ISO 6400

Auch die Nikon D3x bringt keine überzeugenden Resultate über einer Empfindlichkeit von ISO 1600 zusammen - ich denke, die beiden oberen Empfindlichkeiten, die auch nur als +1 und +2 über ISO 1600 angegeben werden, sind nur in wirklicher Lichtnot verwendbar, aber nicht zu empfehlen. Man kann eben nicht alles zugleich habe - 24 Megapixel und ISO 6400 mit fast keinem Rauschen und das bei einem 24x36mm Sensor. Und zum Schluss noch ein Blick auf den Kodak Ektar 100 - definitionsgemäss bei ISO 100

Ektar100DetailNachtweb.jpg

Wenn man die lange Belichtungszeit und die Filmempfindlichkeit nicht in Betracht zieht - das Ergebnis selbst ist nicht schlecht. Begrenzend wie immer ist das Korn, aber das ist ja bei Film sowohl ein Hindernis als auch eine Eigenschaft, die den speziellen Charakter von Aufnahmen auf Film ausmacht.

Um den direkten Vergleich bei ISO 3200 besser sehen zu können, habe ich hier nochmals die drei ISO 3200 Aufnahmen nebeneinander gestellt - links die Canon, Mitte die Sony und rechts die Nikon - meine Reihung ist 1. Canon, 2. Nikon (mit Abstand), 3. Sony (mit grossem Abstand)

 

1DsMkIIINaGrap3200web.jpg SonyISO3200ausweb.jpg _D3XISO3200web.jpg

Canon - Sony - Nikon

Die Canon ist eindeutig die Kamera, die bis in hohe ISO Bereiche saubere Aufnahmen mit geringem Rauschen liefert - schade, dass die Objektive dazu nicht auch die gleiche Qualität aufweisen.
Damit bin ich bei der nächsten Frage angelangt - die Gesamtqualität einer Aufnahme besteht ja aus der Summe der von der Kamera selbst gelieferten Qualität und der optischen Qualität der Objektive. Um hier eine möglichst vergleichbare Ausgangssituation zu haben, wurden für alle Tests immer vergleichbare Objektive gewählt - auf allen drei Kameras war das Spitzenobjektiv 1:2,8/24-70 AF in der besten Qualitätsstufe, also L, ED oder sonst was es auch immer für eine Bezeichung hatte. Das Handling der Objektive ist auch für mich ein Kriterium, das nicht uninteressant ist - hier sind Canon und Nikon ziemlich ähnlich - es sind schwere Objektive, die den Schwerpunkt der Kamera deutlich verlagern. Sony's Alpha 900, die als Gehäuse etwa 500g weniger auf die Waage bringt, wird durch das grosse Zeiss Objektiv recht kopflastig, bleibt aber, weil sie gut in der Hand liegt, angenehm bedienbar. Mir gefällt auch die lineare und schlichte äussere Form des Objektivs - es liegt gut in der Hand. Die Sonnenblenden der drei Objektive sind recht unterschiedlich gestaltet - die Canon und Nikon Sonnenblenden sind klobig und die Nikon Sonnenblende hat eine äusserst knappe Dimensionierung bei 24mm - sie vignettiert minimal, was man bei offener Blende und 24mm messtechnisch noch feststellen kann. Die Zeiss Sonnenblende erscheint mir etwas weniger wirksam, ist aber deutlich kleiner und kompakter.

Eine Serie von Aufnahmen sind ja am Anfang des Berichts bereits zu sehen gewesen - die Details aus den Aufnahmen des Schlossen von Weiten. Was aber noch wesentlich zur Bildqualität beiträgt sind die Vignettierung und die Verzeichnung. Vignettierung ist ein Lichtabfall vom Zentrum zum Rand hin - theoretisch bereits vorhanden und durch einige Designtricks reduzierbar (zB Einführung von Pupillenaberrationen) und ein ganz typisches Merkmal von Weitwinkelobjektiven. Die Verzeichung ist eine in Abhängigkeit vom Abstand von der Bildachse veränderliche Vergrösserung, also eine geometrische Erscheinung, die sich bei rechtwinkeligen Objekten durch entweder eine Verzerrung in Richtung eines Kopfkissens oder einer Tonne darstellt. Beide Abbildungsfehler solllten minimal sein und wenn ein Objektiv den Anspruch erhebt, Spitzenklasse zu sein, so sollten gerade diese Fehler auch ausgewertet werden.
Vorerst die Vignettierung - also der Lichtabfall in Richtung Bildrand - natürlich am stärksten sichtbar in den vier Ecken des Bildes, weil da die grösste Entfernung zum Mittelpunkt, zur optischen Achse vorhanden ist.

Gibt es ein erlaubtes Mass an Vignettierung - sicher nicht leicht zu definieren, aber ein Lichtabfall - bei einem Weitwinkelobjektiv - von etwa 1 Blendenstufe kann durchaus als annehmbar bezeichnet werden. Nikon hat zum Beispiel einen Algorithmus eingebaut, der eine on-board Korrektur der Vignettierung erlaubt, andere Lösungen, die auch gut arbeiten, sind entweder Korrekturmöglichkeiten der Raw-File Programm der Kamerahersteller und/oder entprechende Softwarelösungen, wie etwa DxO. Aber wenn das Objektiv schon wenig Lichtabfall aufweist, ist es natürlich besser als viel und dann korrigieren.

Ich habe die Objektive auf 24mm, Blende 2,8 und Unendlich als Entfernung eingestellt (was die grösstmögliche Vignettierung erzeugt) und dann eine gleichmässig beleuchtete weisse Flächte aufgenommen. Die Aufnahmen wurden dann im Imatest Programm ausgewertet. Diese Auswertungen zeigen den Lichtabfall in Blendenstufen und die Symmetrie des Abfalls. Da ich keine photometrische Kontrolle der Ausleuchtung machen konnte, sind die Aufnahmen leicht asymmetrich beleuchtet, das macht aber in Hinblick auf den Lichtabfall keinen bedeutenden Unterschied - nur dass dieser etwas unsymmetrisch dargestellt wird.

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Lichtabfall in Blendenstufen: Oben Links - Canon (-2,62 Stufen Durchschnitt), Oben Rechts - Sony (-2,51 Stufen Durchschnitt)

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Oben Links Nikon ohne Vignettierungsoptimierung, Oben Rechts - Nikon mit Vignettierungsoptimierung
Nikon links -1,72 Stufen Durchschnitt, Nikon rechts - 1,12 Stufen Durchschnitt

Alle drei Objektive vignettieren unter diesen Bedingungen deutlich, wobei Canon und Sony/Zeiss fast identische Werte in den Ecken ergeben (maximal -2,79 bzw. - 2,73 Blendenstufen) und Nikon etwa 1 Stufe weniger vignettiert, aber immer noch -1,93 als Maximalwert der Ecken

Mit eingeschalteter Vignettierungsoptimierung wird die Nikon deutlich besser und der Abfall der Helligkeit verringert sich auf - 1,28 Stufen als schlechtester Wert der Ecken. Wenn die Blendenwerte verkleinert werden, also die Blenden zugehen, werden die Werte für den Lichtabfall logischerweise geringer und bei Blende 8 sind der Helligkeitsabfall bei Nikon bereits nur mehr eine halbe Blendenstufe, wohingegen die Werte für Canon etwa -1 Stufe und bei Sony/Zeiss noch immer etwa -1,5 Blendenstufen betragen. Natürlich kann man, wie erwähnt, mit einem geeigneten Programm diesen Lichtabfall im postprocessing ausgleichen, aber weniger Lichtabfall bereits am Anfang schadet sicher nicht!

Die Verzeichnung ist ein für mich besonders interessanter Aspekt, da vor allem in der Weitwinkelphotographie doch gerne auch Aufnahmen von Gebäuden gemacht werden (zB Kirchen, Museen, Häuser...) und wenn dann die geraden Linien durchgebogen erscheinen, ist es besonders störend - egal ob sie nach innen oder nach aussen gebogen sind.

Technisch gesehen ist Verzeichnung eine Differenz der Vergrösserung der Abbildungspunkte in Abhängigkeit von deren Abstand von der optischen Achse - da gibt es bekanntlicherweise zwei Arten - wenn die Vergrösserung abnimmt, je weiter der Punkt weg von der optischen Achse ist, dann entstehen nach innen gebogene, runde Linien - die "Tonnen" Verzeichnung, wenn aber die Vergrösserung zunimmt, je weiter der Punkt von der optischen Achse entfernt ist, dann werden die geraden (tangentialen) Linien nach aussen verborgen, es ensteht die "Kissen" Verzeichnung. Bei Zooms findet man meistens einen neutralen Bereich irgendwo in dem Zoombereich und ein Kippen von der einen Form zu der anderen Form wenn man den Brennweitenbereich durchfährt.

Bei allen drei Zooms findet man Verzeichnung - das ist zu erwarten gewesen. Die Unterschiede sind nicht sehr bedeutend, aber sichtbar. Ich habe daher bei allen drei Objektiven mit den Extrembrennweiten 24mm und 70mm die entsprechenden Auswertungen vorgenommen. Hier die Ergebnisse

Vorerst das Canon 2,8 /24-70mm L Zoom bei 24mm

1DsMkIII2458DIST24mm_distortion.png 

Verzeichnung bei 24mm -1,56% Tonne

und hier bei 70mm

1DsMkIII2460DIST70mm_distortion.png

Verzeichnung bei 70mm +1,9% Kisse

Canon zeigt also bei 24mm etwa 1,6% Tonne und bei 70mm etwa 2% Kisse als Verzeichnung - das ist nicht tragisch, aber auch nicht gerade wenig und kann bei geraden Objektlinien leicht stören. Sind aber die anderen Objektive besser? Hier als nächstes Objektiv das Sony/Zeiss 2,8/ 24-70mm im Test

Zeiss bei 24mm

Sony24mmVerzweb.jpg

Verzeichnung bei 24mm - 3,59% Tonne

und hier bei 70mm

Sony70mmVerzweb.jpg

Verzeichnung bei 70mm +0,44% Kisse

Hier zeigt das Zeiss Objektiv eine der wenigen Schwächen - 3,6% Verzeichnung (Tonne) bei 24mm kann wirklich stören, wenn man gerade Linien aufnehmen möchte - dagegen nur unter 0,5% Kisse bei 70mm, das ist wirklich gut. Warum diese Unsymmetrie gewählt wurde - ich habe keine Erklärung dafür. Die Summe der beiden Verzeichnungswerte ist etwas höher als die bei Canon. Ich hätte mir vorgestellt, dass Zeiss sehr wohl in der Lage sein sollte, ein (etwa) 3x Zoom so zu rechnen, dass die Verzeichnungswerte an beiden Enden der Zoombereichs innerhalb von 1% liegen...

Zuletzt noch Nikon mit dem 2,8/ 24-70mm Objektiv - ist das besser oder ähnlich wie die beiden anderen Objektive?

Hier einmal Nikon bei 24mm

D3x24mm6687distortion.jpg

Verzeichnung bei 24mm - 2,86% Tonne

Und hier bei 70mm

D3x70mm6685distortion.jpg

Verzeichnung bei 70mm +0,89% Kisse

Also, Nikon ist auch nicht besser - fast 3% Verzeichnung bei 24mm ist recht viel, die unter 1% bei 70mm sind ordentlich und OK. Warum aber diese doch recht deutlich sichtbare Verzeichnung bei der Weitwinkelstellung des Zooms? Es ist eine Frage der Optimierungsüberlegungen - der eine Objektivdesigner will die Verzeichnung mehr oder weniger auf den Zoombereich verteilen, ein anderer überlegt sich einen anderen Weg um die Verzeichnung zu plazieren. Eines ist sicher, keines der drei Spitzenobjektive ist im Weitwinkelbereich eine gute Wahl für Aufnahmen mit architektonisch anspruchsvollem Inhalt - ausser man ist bereit, in geeigneten Programmen diese Verzeichnung zu beseitigen. Das geht gut, ist aber ein zusätzlicher Korrekturschritt.

Und wie sieht die Farbwiedergabe aus? Alle drei Kameras werben mit der praktisch perfekten Farbwiedergabe, mit sehr interessanten Kunstworten für deren Farbalgorithmen, mit vielen technischen Fachausdrücken, mit 12 oder 14 bit Farbtiefe - aber wie gut werden Farben wiedergegeben? Wie gut ist die automatische Weissbalance - das ist doch diejenige Einstellung, die doch automatisch alles richtig machen soll?
Als Testobjekt diente wie immer für mich, die GretagMacbeth Farbtafel mit den 24 Farbfeldern - da sind die Grautöne, die Hautfarben, viele in der Natur vorkommenden Farben und die Reinfarben CMY und RGB drauf - wie gut kann also jeder der Pixelolympioniken die Farben wiedergeben?

Diese Farbtafel wurde auf einer Hensel Reproanlage mit Normlicht D50 beleuchtet und in derjenigen Farbeinstellung aufgenommen, die laut Hersteller die neutralste Einstellung darstellt und daher die geringsten Veränderungen der Farben vermuten oder erhoffen lässt. Die Weissbalance wurde im Automatikmodus gemacht - da praktisch alle Farben vorhanden sind, sollte eine Automatik auf korrektes Weiss abstimmen können.

Und hier die Ergebnisse - Farbraum war Adobe RGB, weil dieser Farbraum den grösseren Farbumfang hat als sRGB - vorerst die Canon 1DsMkIII

1DsMkIIIGMBFarbe1_colors.png

Was man hier und auf allen weiteren Farbdarstellungen sehen kann ist der 24-Felder GretagMacbeth Colorchecker mit zwei eingelagerten Feldern, welche die ideale Farbdarstellung ohne und mit Luminanzkorrektion zeigen, umgeben von der aktuelle Darstellung, wie die Kamera die Farbe aufgenommen hat. Im Idealfall sollten alle Farbfelderteile gleich sein. Die untere Reihe zeigt nochmals die Grauwerte mit einer stark überbetonten Darstellung der Farbrichtung, in die das Grau geht - wieder mit und ohne Luminanzkorrektur. Auch hier sollte im Idealfall kein Unterschied sein. Die Daten zeigen die Farbverschiebung in HSV (Sättigung) bzw. in Grad Kelvin und Mired. Je kleiner diese Werte sind, desto genauer ist die Wiedergabe der Grautöne, im Idealfall können diese Werte Null sein.

 

Dann die SonyAlpha900

Sony057GMBFarbe1_colors.png

 

Und hier nun die Nikon D3x:

D3X3698GMBFarbe1_colors.png

Wie man sehen kann, ist die Canon 1DsMkIII diejenige Kamera, welche die gleichmässigste neutrale Grauwiedergabe aufweist, wohingegen Sony eine kühlere Neutralgrauwiedergabe hat und die Nikon von fast neutral, eher etwas warm, dann in eine kühlere Wiedergabe der grauen Neutraltöne übergeht. Ist das störend - nein, nicht unbedingt, wenn die meisten anderen Farben eine geringe synchrone Abweichung aufweisen. Wie sehen daher die Farben aus, wenn der sehr umfangreiche Colorchecker SG aufgenommen wird.

Die folgenden Aufnahmen sind alle wieder mit der gleichen Anordnung gemacht worden - D50 als Beleuchtung, Auto-WB und Adobe RGB. Vorerst wieder die Canon 1DsMkIII

Canon1DsMkIII.png

Was man hier sieht ist im grossen Farbfeld eine Falschfarbendarstellung der Farbabweichungen der Aufnahme von den theoretischen Werten des ColorChecker SG, der ja speziell für digitale Kameras konzipiert wurde. Je mehr Felder einen Blauton haben und je dünkler dieser Blauton ist, desto genauer sieht die Kamera die Farben im Vergleich zu den Farbdaten des Originals (die ja normiert sind). Wenn die Abweichungen sichtbar werden, wird die dargestellte Farbe des Feldes grün, wenn die Farbabweichungen gross werden, dann geht die Farbe ins Rot. Dunkelrot sind die Felder, die starke Farbabweichungen aufzeigen. Das ist bei Digitalkameras nicht zu vermeiden, da keine Digitalkamera exakt alle Farben wiedergeben kann. Rechts oben die Farbtafel des Colorcheckers, darunter die eingestellten Messfunktionen und Darstellungen. Unter der Farbskala die Durchschnitts- und Maximalwerte gemäss verschiedenen Farbraumnormen.

Als nächstes kommt die SonyAlpha900:

SonyAlpha900.png

Und hier jetzt die Nikon D3x:

NikonD3xARGB.png

Wie es leicht aus diesen drei Charts sichtbar wird, ist die Canon bei fast allen Farben etwas "daneben" (im numerischen Vergleich mit den Originaldaten der Farbtafel), also recht konsistent in der Wiedergabe, die Sony ist erstaunlich gut bis auf einige Farben, die aber deutlich anders wiedergegeben werden und die Nikon ist im AutoWB Modus doch bei einigen Farben daneben so wie sowohl Canon als auch Sony. Die Auto WB Einstellung ist sicher ein Kompromiss, der bei kritischen Aufnahmen durch eine manuelle Einstellung ersetzt werden sollte.


Damit ergibt sich für mich die Frage - sind diese Abweichungen bei einer normalen Aufnahme sichtbar? Sicher kaum in der Betrachtung, aber im direkten Vergleich mit der Originalfarbe, ja - die Abweichungen sollten sichtbar sein. Die Farbmetrik sagt, dass Abweichungen von E, als der Gesamtfarbabstand, die grösser als 3-5 sind, von einem ungeübten Betrachter doch erkennbar sind. Und Abweichungen über 10 sind gut sichtbar. Es ist sicher richtig, dass viele Farben, die man im Spektrum findet, mit keiner Kamera korrekt wiedergegeben werden können ( Stichwort: Gamut), aber Farbabweichungen, die bei Farben entstehen, die innerhalb des Farbwiedergabebereichs der Kamera liegen, sollten möglichst korrekt wiedergegeben werden.
Das ist aber, zumindest aus diesen Tests ersichtlich, nur ziemlich gut bei vielen Farben in der Sony, recht gut bei einigen Farben in der Canon und mit Einschränkungen bei Nikon beobachtbar - immer mit dem Hinweis, dass der Weissabgleich im Automatikmode gemacht und der deutlich grössere Adobe RGB Farbraum verwendet wurde. Nimmt man jedoch den sRGB Farbraum und stellt die Weissbalance manuell ein - dann sind alle drei Kameras ziemlich identisch und sehr nahe einer korrekten Farbwiedergabe. Da alle Ergebnisse sehr ähnlich waren, ist hier nur das der Nikon D3x, da diese Kamera mit automatischem Weissabgleich ja relativ grosse Farbabweichungen bei einigen Farbtönen zeigt

Vorerst die Nikon D3x mit dem 24-Felder ColorChecker - links die zuerst gezeigten Werte (Adobe RGB und Auto-SW und rechts sRGB mit manuellem Weissabgleich unter Verwendung der "ExpoDisk":

D3X3698GMBFarbe1_colors2.png D3X_6723sRGBWBpre_colors.png

Vorallem in den dunklen Bereichen des Neutralgrau ist eine sichtbare und messbare Verbesserung feststellbar - im dunkelsten Bereich ist diese Verbesserung sehr deutlich vorhanden (alter Wert: +572K, neuer Wert +23K Differenz soll/ist)

Und wie sieht der Unterschied bei der komplexeren Farbtafel, dem ColorChecker SG, der speziell für die Auswertung digitaler Sensoren entworfen wurde, aus? Wie vorher, links der vorherige Wert und rechts der nach Umstellung auf sRGB und manuellem Weissabgleich - auch hier eine deutliche Verbesserung des allgemeinen Farbbildes gut erkennbar

NikonD3x.png D3xsRGBWBpre.png

Also ein klarer Vorteil - manueller Weissabgleich (und eventuell auch der etwas kleinere sRGB Farbraum - wahrscheinlich deswegen auch der Standardfarbraum fast aller digitalen Kameras - nur so nebenbei - es gibt fast keine TV-Monitore, also Fernsehbildschirme - nicht PC Monitore!-, die Adobe RGB in vollem Umfang darstellen können). Dafür sind einige Farben, wie zu erwarten war, durch den kleineren Farbraum bedingt, noch viel abweichender dargestellt, was die ausgeschriebenen Maximalwerte noch oben drückt.


Ich möchte aber klarstellen, dass die meisten dieses numerisch gut erkennbaren Farbabweichungen nur dann auch bei einem "normalen" Bild sichtbar werden, wenn man das Original daneben stellt und bei dem Aufnahmelicht direkt vergleicht.

Nun aber zur "Königsdisziplin" der Megapixelolympiade - der Auflösungsleistung der Kameras. Numerisch liegen hier Nikon und Sony ein wenig vorne, aber dieser numerische Vorteil der wenigen Megapixel sollte kaum einen wirklich sichtbaren Unterschied in der optisch darstellbaren Auflösung ausmachen. Wie ich bereits bei der Betrachtung der D3x selbst gezeigt habe, ist eine Verdoppelung der Anzahl Pixel absolut nicht einer Verdoppelung der Auflösung gleichzusetzen, sondern bestenfalls mit einem Faktor von etwa 1,4 verbunden. Daher ist der Unterschied zwischen etwa 21MPx und 24MPx sehr gering - vielleicht 100LW/PH ( LW/PH bedeutet Linienweiten/Bildhöhe - Erklärung weiter unten) oder so - im besten Fall. Wie immer, ist es das Zusammenspiel von Optik und Kamera als ein komplettes System das Entscheidende - ohne gute Optik geht nichts und die beste Optik kann nichts mit einem mediokren Sensor anfangen.

Für diese Aufgabe habe ich zwei Standardtargets genommen - den sinusförmigen Siemensstern und die "slanted Edge", also die schiefe Linie. Beide sollen etwa den gleichen Bereich von LP/PH (Linienpaaren/Bildhöhe, also schwarz/weiss Linien pro 24mm, bzw. LW/PH Linienweiten/Bildhöhe) liefern. Rechnerisch ergibt sich als Nyquist Grenze ein Wert von etwa 2000 LW (die Hälfte der vertikalen Pixel) und der Kontrastwert in der Nähe dieser Grenze ist von Interesse. Es ist üblich, einen Kontrast von 50% des Originalkontrasts als durchaus noch gut sichtbar anzusehen und die Grenze der Sichtbarkeit von zwei Details oberhalb von 20% anzusetzen - also etwa bei 30%. Diese Werte haben im Ursprung physiologische Gründe, auf die ich hier aus Platzgründen nicht eingehen sollte.

Vorerst die "slanted edge", also eine schief durchgehende Kante, die eine helle und eine dunkle Fläche trennt. Die Schiefe verhindert eine Interferenz mit einer vertikalen Anordnung der Pixel, die sonst zu völlig falschen Ergebnissen führen würde, hat aber noch eine Reihe weiterer Gründe, deren Ausführung hier zu umfangreich ist.

Zum Anfang wieder die Canon 1DsMkIII mit etwa 21MPx im Vollformat

Canon1DsMkIIIBl5k6.jpg

MTF bei 50% Kontrasterhaltung ~3050 Linien(breiten)/Bildhöhe (24mm)

Hier ist eine Auswertung einer Aufnahme des ISO12233 Testcharts, genauer gesagt, des vertikal-schrägen Balkens (slanted edge). Der Screenshot zeigt den ausgesuchten Teil der slanted edge recht oben und die Kantenübergangsfunktion von hell auf dunkel links oben, sowie die Modulationstransferfuntion dieses Übergangs links unten. Im theoretischen Idealfall ist die Kurve links oben eine Rechteckkurve und die Kurve unten bis zur Nyquist Frequenz eine horizontale Gerade (also kein Kontrastverlust bis zur halben Zahl der Pixel) - dieser Fall existiert aber nicht. je steiler die obere Kurve und je weiter oben die untere Kurve bleibt, desto besser ist die Auflösung und die Kontrastübertragung - also die Sichtbarkeit der kleinsten Details.
Die Angabe LW/PH bedeutet Linienbreiten/Bildhöhe und die Beziehung zu Linienpaaren/Bildhöhe ist 2 mal Linienpaare/Bildhöhe=LW/PH. Bei einem Vollformatsensor ist der 2*LP/24mm = LW/24mm, also ein Linienpaar = 2Linienweiten = 2Linien (vereinfacht)

 

Die Sony Alpha 900 mit dem 24MPx Sensor

SonyAlpha900_SLEBl5k6.jpg

MTF bei 50% Kontrasterhaltung ~3100 Linien/Bildhöhe (24mm)

Und zum Schluss die Nikon D3x mit einem fast baugleichen Sensor wie die Sony, also auch 24 MPx

NikonD3xSLEBl5k6.jpg

MTF bei 50% Kontrasterhaltung ~3200 Linien/Bildhöhe (24mm)

Das Ergebnis ist gleich dem, das man bei nicht-technischen Aufnahmen auch sehen kann - nur sehr geringe Unterschiede, aber die Nikon D3x eindeutig an der Spitze liegend. Ich möchte betonen, dass es schwierig ist, daraus irgendwelche Qualitätsschlüsse zu ziehen, da ja die Auflösung einer Aufnahme von einigen Parametern abhängt, vorausgesetzt die Aufnahme ist wirklich "scharf" - was man nur mit einem sehr stabilen Stativ erreichen kann. Wesentliche Einflüsse auf die Auflösung hat die Einstellung der in-camera Schärfung, damit kann man sehr viel gute Qualität ruinieren bzw. erhalten. Auch ist die Auflösung nicht über das ganze Aufnahmefeld gleich - alle Aufnahmen wurden so gemacht, dass das Target in der Mitte des Bildes war - nur zum Vergleich, eine Aufnahme mit dem gleichen Target auf etwa 1/2 des Durchmessers des Bildes nach aussen versetzt - hier mit Canon, ergibt ein ganz anderes und praktisch immer viel schlechteres Bild der Auflösung. Leider ist hier Canon ein Vorzeigeobjekt - die Bildqualität der Objektive nimmt von der Mitte weg zu Rand deutlich ab und die ohnedies unzulängliche ausseraxiale chromatische Korrektur der Canon Objektive wird noch deutlicher sichtbar.


Vorerst die ausseraxiale Auflösung des 24-70mm Objektives links bei Blende 2,8 - wie man im Bildtext sehen kann, bei 47% ausserhalb der Mitte des Bildes- und rechts bei Blende 8 (bei kleinen Monitoren und niedrigerer Auflösung werden die Screenshots untereinander angezeigt)

CanonRandRes.jpg CanonRandResBl8.jpg

Blende 2,8 (links) - bei 50%Kontrasterhaltung (oder auch 50% Kontrastverlust) ~2200 Linien/24mm; Blende 8 (rechts) ~2600 Linien/24mm

Und hier die dazugehörende Darstellung des Farbquerfehlers, den man bereits an der obigen Aufnahme deutlich sehen kann - links bei Blende 2,8 und rechts bei Blende 8, beide bei 47% ausserhalb der optischen Mitte des Bildes

CanonRandResChroma.jpg CanonRandResChromaBl8.jpg

Ein Objektiv ohne messbaren Farbquerfehler würde hier alle drei Farbkanäle übereinander gelegt zeigen - hier aber sieht man den FQF sehr deutlich

Von einem Zeiss Objektiv könnte man eine bessere Korrektur erwarten, daher war mein Interesse gross, zu sehen, wie sich das Zeiss 24-70mm auf der Sony verhält - wieder zuerst bei Blende 2,8 und dann bei Blende 8 die ausseraxiale Auflösung

SonyBl2k8Rand.jpgSonyBl8Rand.jpg

Links Sony bei Blende 2,8 etwa 50% links von der Mitte, Rechts bei Blende 8, gleicher Abstand von der Mitte

Wenn man die beiden Auflösungswerte mit denen von Canon vergleicht, sieht man, dass beide Objektive sehr ähnliche Werte ergeben - ein deutlicher Verlust an Auflösung bei Blende 2,8 und ein nach wie vor sichtbarer Verlust bei Blende 8. Canon liefert etwa 2200 Linien und Zeiss etwa 2300 Linien bei Blende 2,8 und bei Blende 8 liefert das Canon Objektiv etwa die gleiche Zahl Linien wie das Zeiss Objektiv - also etwa 2600 Linien über die Bildhöhe.

Und wie sieht der Farbquerfehler bei dem Zeiss Objektiv aus - schon deutlich besser als der bei dem Canon Objektiv - hier die Resultate

SonyBl2k8colorRand.jpgSonyBl8colorRand.jpg

Links Farbquerfehler Sony/Zeiss bei Blende 2,8 bei etwa 50% ausserhalb der Mitte und Rechts gleicher Ort bei Blende 8

Wenn man die Werte des Canon Objektivs (1,44 bzw 1,27 Pixel CA) mit denen von Zeiss (0,65 bzw 0,63 Pixel CA) vergleicht, kann man erkennen, um wieviel besser der Farbquerfehler bei Zeiss korrigiert wurde - er ist nach wie vor vorhanden und auf den Aufnahmen sichtbar, aber deutlich geringer. Nikon - die Ergebnisse sind im Folgenden sichtbar, ist da deutlich besser auch als Zeiss - nur 0,27 Pixel CA (Fläche) ist wirklich gut - und das sieht man auch auf den Aufnahmen, denn man kann praktisch keinen Farbquerfehler sehen.

Es ist sehr wohl möglich, eine deutlich bessere ausseraxiale Bildkorrektur bei einem vergleichbaren Objektiv in Massenproduktion zu erreichen - ich habe die genau gleichen Aufnahmen mit der Nikon D3x und dem Nikon 24-70mm/2,8 Objektiv gemacht - hier die gleichen beiden Screenshots bei Blende 8 - links die Auflösung und rechts der Farbquerfehler - beide deutlich besser. Und das kann man auch auf den "normalen" Aufnahmen gut sehen.

NikonD3xRandResBl8.jpg NikonD3xRandResChromaBl8.jpg

Links: Nikon Blende 8 ~2800Linien/24mm mit 50%Kontrast und Rechts: Fast zusammenfallende Farbkanäle=kaum messbarer FQF

 

Natürlich gibt auch das Nikon Objektiv gegen den Rand hin nach, aber bei weitem nicht so viel wie Canon und der Farbquerfehler ist überaus gering und auf einer "normalen" Aufnahme praktisch nicht ausmachbar.

Gibt es einen Grund dafür, dass Nikon die Objektive so viel besser macht als Canon oder SonyZeiss? Nein, die Ursache liegt in einer automatischen Elminierung des Farbquerfehlers durch den Nikon Rawconverter Capture NX2. Diese Funktion ist bei jeder Konvertierung eines NEF (Raw) Files immer eingeschaltet und auch wenn man diese Funktion ausschaltet, wird sie automatisch wieder eingeschaltet, wenn man ein weiteres Files konvertiert. Sie ist im Menu der Kamera- und Objektivkorrekturen vorhanden und muss bei jeder Konversion manuell einzeln ausgeschaltet werden. Wenn man das macht, dann sieht das sonst so schöne Nikon 24-70 wie die beiden anderen Objektive aus - mit einem gut sichtbaren Farbquerfehler. Hier die entsprechenden Screenshots der Auswertungen mit dem Imatest Programm:

D3xoCaKorrBl2k8Rand.jpgD3xoCaKorrBl8Rand.jpg

Links Nikon 24-70mm/2,8 bei Bl.2,8 und 45% ausser der Mitte und rechts gleiche Einstellung aber Blende 8

Man kann an beiden Auswertungen sehen, dass das Nikon Objektiv davon profitiert, dass der sehr wohl existende Farbquerfehler in der Konverssionsoftware automatisch praktisch komplett eliminiert wird - warum ist dieses Feature nicht auch bei Canon und Sony vorhanden - oder ist es irgendwo eingebaut und nicht automatisch eingeschaltet?

 

Aus Lust am Experiment habe ich mit dem Nikon Objektiv auf dem neuen Ektar 100 Kleinbildfilm bei ISO 100 zu fast allen technischen Aufnahmen die Vergleiche auf Film gemacht - nicht um zu zeigen, dass der Kleinbildfilm diesen Kameras überlegen ist (was er nicht mehr ist), aber um zu sehen, was wir noch vor ein paar Jahren als beste mögliche Wiedergabe bezeichnet haben - hier also eine Auswertung einer Vergleichsaufnahme auf dem Ektar 100 mit Nikon

Ektar100sharp1px75pc.jpgNi24_70Bl8Ektar100Rand-.jpg

Links - Ektar 100 ~1600Linien/24mm Auflösung bei 50%Kontrasterhaltung (etwa 65Linien/mm) - Rechts der Farbquerfehler des Nikon 24-70mm auf Film

 

Also, so schlecht ist Film nicht....ich war positiv erfreut, zu sehen, dass der Film zumindest in der gleichen Grössenordnung mithalten kann, wenn auch, durch das Korn bedingt, die Auflösung etwa 35% geringer ist.

Was kann ich noch zeigen - ich habe hunderte von Aufnahmen gemacht und diese verglichen und versucht, zu einer Meinung zu gelangen. Zum Ende dieses Berichts daher meine sehr persönliche Zusammenfassung hinsichtlich der Leistung und Qualität der drei Kameras:

Die optische Qualität der Nikon ist auf Grund der automatischen Farbquerfehlerentfernung ungeschlagen, die Canon ist eine hervorragend farblich abgestimmte Kamera mit einem wirklich überzeugend niedrigen Rauschen und die Sony macht sehr gute Aufnahmen, solange man unter ISO 400 bleibt.
Die Nikon hat mich hinsichtlich des Rauschens etwas enttäuscht, die Canon hat mich in Bezug auf die Objektivqualität sehr enttäuscht und die Sony in Hinblick auf das Rauschen bei allen Empfindlichkeiten über ISO 400.

Gäbe es eine Wunschkombination für mich - ich denke, wenn es ginge, wünschte ich mir die Handlichkeit der Sony mit der Farbwiedergabe der Canon und die Optik von Nikon!

Was wäre mein Wunsch an die entsprechenden Entwicklungsabteilungen - bei Sony das Rauschen unter Kontrolle zu bringen, ferner einen besseren Rawconverter mit den Features wie der von Nikon, das ist einfach ein Trauerspiel und überdies von Zeiss mehr Designaufwand um die Verzeichnung und die Vignettierung im Weitwinkelbereich zu reduzieren; bei Canon ist definitiv die sehr bescheidenene optische Qualität im Randbereich ein sehr starker Minuspunkt und die fehlende automatische Farbquerfehlerelimierung, und bei Nikon - die D3x verdient einen besseren automatischen Weissabgleich, weniger Vignettierung und deutlich weniger Verzeichnung im Weitwinkelbereich.

Alle drei Kameras haben mir wirklich gut gefallen, jede für sich hat USPs (also praktisch konkurrenzlose Stärken) - Nikon die Optik mit der über dem gesamten Bildfeld besseren Abbildungsleistung, Canon die ausgeglichene Farbe und Sony die Handlichkeit und gesamte Bildqualität bei ISO 100-200 (man denke an den Preis...!) und jede der drei Kameras kann deren Besitzer stolz machen. Die Zeit mit drei solchen Kameras zu photographieren, war etwas hektisch aber sehr, sehr schön - nur leider, sie sind alle wieder an den Orten, von denen ich sie ausborgen konnte....

Zum Schluss noch ein direkter Bildvergleich - eine Aufnahme, die viel Kontrast beinhaltet und sehr viel Aufschlüsse bietet. Die Details sind aus dem linken Ende der Klaviertastatur entnommen - alle Aufnahmen bei Blende 8 gemacht. Ohne Kommentar, einfach zum Nachdenken -

Hier das gesamte Bild - mit der Sony im sehr attraktiven Extended Dynamic Range Mode aufgenommen (auch wenn dieser logischerweise nur bei TIF und JPEG Files funktioniert)

 

Und hier die Ausschnitte - der Reihe nach von oben nach unten - Canon, dann Sony und Nikon

Canon

Sony

NikonKlavier.jpgNikon

 

Wie immer, ich erhebe keinen Anspruch auf Komplettheit oder darauf, dass dieser Vergleich alle Aspekte beinhaltet - ich habe versucht, die mir wichtig erscheinenden Merkmale zu untersuchen und darzustellen - wieder einmal keine schönen, bunten Aufnahmen zum Schluss, weil alle drei Kameras das sehr gut können - und noch viel mehr!

 

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